Donnerstag, 24. Januar 2019, 18.00 Uhr

Buchvorstellung, anschließend Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Dr. Döring

Die Treuhand: Idee - Praxis - Erfahrung 1990-1994

Dr. Marcus Böick (Ruhr-Universität Bochum)

– Eintritt: 4 EUR, bis 18 Jahre frei –

Vorgestellt und diskutiert mit Professor Dr. Dr. Karl Döring wird eine über die Fachwelt hinaus im letzten Jahr mit großem Interesse aufgenommene Neuerscheinung zur Treuhandanstalt, ihrem Personal und ihrem so vielschichtigen wie umstrittenen Arbeitsauftrag. Der Autor Dr. Marcus Böick legt mit seinem Buch die erste umfassende Untersuchung zur Treuhandanstalt und der kontroversen Debatte um sie vor.

Als »größtes Unternehmen der Welt« führte die »Treuhand«  einen Vermögensumbau von bisher unbekanntem Ausmaß durch. Zwischen kollabierendem Realsozialismus und sich globalisierendem Kapitalismus überführte ihr Personal die »volkseigenen« Betriebe der DDR vom Plan zum Markt. Verkäufe an zumeist westdeutsche Investoren, Branchenabwicklungen und Massenentlassungen prägten ihre krisengeschüttelte Geschäftspraxis nicht weniger als wütende Proteste, politische Kontroversen und öffentliche Skandale.

Jenseits zeitgenössischer Bewertungen als alternativlosem »Erfolg« oder neoliberale »Abwicklung« wirft Marcus Böick erstmals einen zeithistorischen Blick auf den widersprüchlichen Auftrag des Wirtschaftsumbaus und rückt dessen Personal in den Fokus. An der Schnittstelle von Wirtschafts- und Kulturgeschichte zeichnet der Autor mit präzisem Blick die zugrundeliegenden Ideen, den dynamischen Organisationsalltag und die facettenreichen Erfahrungen der Mitarbeiter nach, die die Transformation so maßgeblich wie unvorbereitet mitgestaltet haben.

Marcus Böick, Dr. phil. geboren 1983 in Aschersleben, lehrt Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind die Transformationen in Europa nach 1989/90, Geschichte von Bundesrepublik und DDR, Wirtschaftsgeschichte und Kulturgeschichte.

Karl Döring, Prof. hc. Dr.-Ing. Dr. oec., geboren 1937 in Hohenstein-Ernstthal, war ab 1979 stellvertretender Minister der DDR für Erzbergbau, Metallurgie und Kali. 1985 wurde er Generaldirektor des VEB Bandstahlkombinats »Hermann Matern« mit dem Eisenhüttenkombinat Ost als Stammwerk. Vom Juli 1990 bis November des Jahres war er Mitglied und Stellvertreter des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Treuhandanstalt. Von 1990 bis 1995 war er Vorstandsvorsitzender der aus dem Kombinat gebildeten EKO Stahl AG. Damals trug er maßgeblich zum Erhalt des in seiner Existenz bedrohten Stahlstandortes Eisenhüttenstadt bei. 2015 erschien sein Buch »EKO – Stahl für die DDR, Stahl für die Welt« (Edition Berolina).