Die Chemischen Werke Buna werben mit
dem Slogan "Plaste und Elaste aus Schkopau",
Plaste und Kautschuk 1962, H.7

Die Plastindustrie der DDR

Die Plastindustrie der DDR basierte maßgeblich auf zwei Bereichen: die plasterzeugende Industrie und die plastverarbeitende Industrie.

Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol, Polyamid und Phenolharze waren bis 1955 die wichtigsten in der DDR produzierten Kunststoffe. Mit 40.000 Tonnen und einem Anteil von über 50% an der gesamten Plasterzeugung nahm PVC die erste Stelle ein. Erst durch das Chemieprogramm gewannen neue Kunststoffe wie Polyethylen, Polymethacrylat und glasfaserverstärktes Polyester an Bedeutung, da sie nun auf Grundlage der Erdölchemie leichter und effizienter herzustellen waren.

Da die DDR ihre Karbonchemie keineswegs zugunsten der Petrolchemie zurückgefahren, sondern sogar ausgebaut hatte, ist es nie zu dem auf der Chemiekonferenz intendierten Richtungswechsel gekommen. Einige Plaste, wie etwa Polypropylen, mussten weiter importiert werden, weil sie in der DDR nicht hergestellt werden konnten. Die Anfang der 70er Jahre begonnene Produktion von Polyurethan (PUR) hat der DDR noch einmal einen Innovationsschub verschafft und dem VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt durch die Produktion der bekannten Polyurethanmöbel "variopur" zu einem Platz unter den größten Möbelproduzenten Europas verholfen.

Zu den größten Kunststofferzeugern der DDR zählten die Buna-Werke in Schkopau. Der Produktionskomplex war 1937 von der IG Farbenindustrie AG in Betrieb genommen worden und stellte als erstes deutsches Unternehmen PVC her. Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurde das Werk 1946 in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) und 1954 in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. Im Zuge der Chemiekonferenz flossen erhebliche finanzielle Mittel nach Buna, um die dortigen Produktionskapazitäten auszubauen. Das seit 1970 bestehende Kombinat Chemische Werke Buna erbrachte in den 80er Jahren mit über 500.000 Tonnen die Hälfte der Plaststofferzeugung (vor allem PVC, Polystyrol, Polyethylen und Polyester) der DDR.

Die Anzahl an kunststoff- und kunstfasererzeugenden Betrieben beschränkte sich auf eine überschaubare Zahl von Großbetrieben. Zu den wichtigsten Plast-Erzeugern zählten neben den Buna-Werken der VEB Leuna-Werke "Walter Ulbricht" (vor allem Polyamid und Polyethylen), der VEB Chemiekombinat Bitterfeld (PVC), der VEB Eilenburger Chemie-Werk (Celluloseacetat und PVC), der VEB Agrochemie Piesteritz (hauptsächlich Polymethacrylat und Meladur), der VEB Sprela-Werke Spremberg mit den Betriebsteilen Plasta Erkner und Plasta Espenhain (vor allem Bakelit und andere Duroplaste) sowie der seit den 70er Jahren Polyurethan produzierende VEB Synthesewerk Schwarzheide.

Die Chemiefaserindustrie der DDR beschränkte sich zunächst hauptsächlich auf Großbetriebe in Schwarza, Premnitz, Pirna, Wittenberge und Wolfen, die Zellwolle sowie vollsynthetische Polyamid-, Polyester und Polyakrylnitrilfasern herstellten. Im Zuge der Chemiekonferenz wurde die Inbetriebnahme des Synthesefaserwerks in Guben zum Hauptprojekt erklärt. Der Betrieb, der 1964 seine Produktion aufnahm, erbrachte Ende der 70er Jahre bereits mehr als ein Drittel der Synthesefaserproduktion des Landes.

Organisiert waren die Plastverarbeitenden Betriebe bis 1970 in der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Plastverarbeitung mit ca. 550 Betrieben. Seit der Zusammenlegung mit der VVB Gummi und Asbest nannte man sich VVB Plast- und Elastverarbeitung (Halle). Als 1972 die VVB aufgelöst wurden, gliederte man die plastverarbeitenden Betriebe entsprechend ihrem Produktionsprofil einzelnen zentral- oder bezirksgeleiteten Kombinaten ein. Die 76 zentral geleiteten Kombinate waren den einzelnen Ministerien unterstellt. Hier waren insgesamt 311 Betriebe organisiert. Ein Großteil der plastverarbeitenden Betriebe unterstand dem Ministerium für Chemische Industrie bzw. dem Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik. Die übrigen 221 Plastbetriebe wurden den Wirtschaftsräten der Bezirke zugeteilt. Die größten plastverarbeitenden Betriebe wurden im VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung (Berlin) zusammengeschlossen.


Weitverbreitete Konsumartikel stammten vor allem aus dem VEB Presswerk Ottendorf-Okrilla, dem VEB Plastverarbeitungswerk Staaken, dem VEB Plasta-Werke Sonneberg, dem VEB Preßstoffwerk Spremberg "Dr. Erani" und dem VEB Plastverarbeitungswerk Schwerin. Mit 2700 Beschäftigten war der VEB Presswerk Ottendorf-Okrilla der größte plastverarbeitende Betrieb des Landes. Hier wurden in den 80er Jahren jährlich bis zu 6700 Tonnen Polystyrol, 4700 Tonnen Polyethylen und 2700 Tonnen Polypropylen zu Konsumgütern und technischen Teilen verarbeitet.