Sporttage der Jugend, FDJ/FDGB 1949
Kollektiv der Sozialistischen Arbeit, Rudolf Sittner, DEWAG Cottbus, 1977
Schein und Sein, Martin Hoffmann, Eigenauftrag, 1988
Dialog für den Sozialismus, Alexander Schiel, Verlag für Agitations- und Anschauungsmittel, 1989

SINNBILDER - Politische Bildwelten in Plakaten der DDR

 

12.12.17 - 8.4.2018 (verlängert bis 13.5.2017)   

Politische Plakate erschienen in der DDR zu Jahrestagen, Staatsfesten und Großveranstaltungen, sie riefen zur Teilnahme und Zustimmung auf, sollten Themen setzen und Leitbilder vermitteln. Um ihre Botschaften zu formulieren, nutzten Plakate wiederkehrende Losungen und Motive, die den Betrachtern aus dem Schulunterricht, den Massenorganisationen oder aus politischen Kampagnen bekannt waren. Auch Konsum- und Kulturplakate enthielten oft politische Aussagen.

Lange Zeit waren Plakate im öffentlichen Raum nahezu allgegenwärtig. Später wurden sie in der politischen Kommunikation durch andere Medien in den Hintergrund gedrängt, doch erschlossen sie sich neue Verbreitungsformen durch Ausstellungen, Sammelmappen oder Buchpublikationen. Das Plakat behielt damit seine Bedeutung als populäres und modernes Bildmedium. Heute beeinflusst es die kulturhistorische Rückschau auf den Realsozialismus. Es lohnt sich daher ein genauer Blick auf die politischen Bildwelten in Plakaten der DDR sowie auf ihre Veränderungen und Konstanten im zeitlichen Verlauf.

Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR verfügt über einen Plakatbestand von mehreren tausend Blättern. Er basiert auf Schenkungen teils größerer Konvolute, ferner auf dem Tausch mit anderen Institutionen und vereinzelt auf Ankäufen. Vertreten sind Plakate aus der gesamten Zeit der DDR mit Schwerpunkt auf den 1970er und 1980er Jahren.

Für die Ausstellung wurden rund einhundert politische Plakate ausgewählt. Zu sehen sind außerdem Plakatmappen, Ausschneidebögen und Demonstrationsbanner. Fragt man nach der Wirkungskraft von Plakaten, sind Art und Weise ihres Gebrauchs zu berücksichtigen: Wie und in welchem Umfeld wurden Plakate gezeigt, und wie wurden sie von ihrem Publikum wahrgenommen? Antworten darauf geben in der Ausstellung Fotoserien von Thomas Kläber und Ulrich Wüst aus dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK). Sie dokumentieren die Präsenz politischer Plakate im urbanen Raum, in Betrieben und öffentlichen Gebäuden. Damit konfrontieren sie den Anspruch einer umfassenden Politisierung des Alltags mit den Realitäten in der DDR.

Alljährlich beworben wurden vor allem der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ und der 7. Oktober als Gründungsdatum der DDR. Zu runden Jahrestagen erinnerten Plakate an historische Ereignisse und Persönlichkeiten, etwa an die Oktoberrevolution von 1917 und an die Geburtstage von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin. In ihrer Selbstdarstellung bezog sich die DDR auf einen engen Bestand an Themen, denen jeweils visuelle Erkennungszeichen Zugeordnet waren. Die Taube etwa galt als Sinnbild des Friedens, während der Hammer oder der Bauhelm die „herrschende Arbeiterklasse“ symbolisierten. Der Regenbogen stand für das Glücksversprechen der sozialistischen Gesellschaft, die erhobene Faust als Zeichen der Solidarität mit anderen Völkern im Kampf gegen den „Imperialismus“ westlicher Mächte. Fahnen erschienen auf Plakaten als Würdeformeln, anknüpfend an den politischen Kult, der in der DDR um Flaggen und Banner praktiziert wurde. Diese und weitere Bedeutungselemente wurden oft versatzstückartig kombiniert. Schüler und Werktätige wurden angeleitet, unter Nutzung dieser Methode selbst Plakate und Wandzeitungen zu gestalten. Damit wurden die Adressaten ihrerseits zu Produzenten von „Agitationsmitteln“.

Zu besonderen Ereignissen schrieben der Verband bildender Künstler sowie Massenorganisationen und Regierungsstellen Plakatwettbewerbe aus, deren Ergebnisse in der Fachpresse ausführlich vorgestellt wurden. Am Wettbewerb anlässlich der Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Jahr 1973 in Ost-Berlin beteiligten sich neben Gebrauchsgrafikern führende bildende Künstler der DDR. Die Gestaltungsqualität der Plakate sollte durch solche Konkurrenzen gehoben und ihr künstlerischer Anspruch betont werden.

Wie alle Massenmedien in der DDR unterlag die Plakatproduktion einer ausdifferenzierten Kontrolle durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Hauptauftraggeber waren die SED und die von ihr abhängigen  Massenorganisationen und Regierungsstellen. Die Herstellung und den Vertrieb von Plakaten besorgte die Deutsche Werbe und Anzeigengesellschaft (DEWAG). Sie war faktisch in Parteibesitz und unterstand seit 1962 der Abteilung Agitation beim Zentralkomitee der SED. 1975 wurde die politische Werbung zum Teil aus der DEWAG ausgegliedert und dem neu gebildeten Verlag für Agitations- und Anschauungsmittel zugewiesen. Die zentrale Steuerung der Medien führte zu einer Begrenzung der Inhalte auf wenige Leitthemen, die sich bis zum Ende der DDR kaum wandelten. 

Gesellschaftliche Probleme, wie die Wohnungsnot und die Gefahr eines Krieges, wurden von der „Sichtagitation“ nicht ausgeblendet, sondern in der Sprache der Partei aufgegriffen. Die gelieferten Antworten ließen ungewollt auch politische Widersprüche hervortreten. So bezog die Friedenspropaganda einerseits Stellung gegen die nukleare Aufrüstung (vornehmlich des Westens), idealisierte andererseits aber die Rolle des Militärs in der DDR. Ökologische Themen wurden allenfalls vorsichtig angedeutet. 

Politische Plakate galten jedoch nicht nur als „Waffen“ der Agitation, sondern auch als Werke der Kunst, die als Ausweis eines kulturell entwickelten Gemeinwesens Förderung erfuhren. Aufgrund dieses Doppelcharakters eröffneten sich für ihre Autoren Spielräume jenseits des propagandistischen Auftrags. Besonders in den 1980er Jahren nutzten Plakatgestalter wie Manfred Butzmann und Martin Hoffmann dies für gesellschaftskritische Kommentare.

nach oben