Modelle für die Ausstellung "1953 - Ein Jahr in Politik und Alltag", 2003 (Entwurf: Martin Simon; Foto: A.Ludwig)
Vorbereitungen für die Dauerausstellung, November 2011 (Foto: A. Ludwig)

Die Arbeit des Museums

Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR besteht seit 1993. In den Jahren der Transformation, des sich auf vielen Ebenen vollziehenden Übergangs von der DDR in die Bundesrepublik, wurde das Projekt verfolgt, die materielle Kultur des Alltags in der DDR in einem Museum zu sichern. Diese "vorsorgende" Sammlung und Sicherung der Alltagsobjekte galt mehreren Zielen:

Sammlung

Was nicht gesammelt und dokumentiert ist, existiert auf Dauer nicht. Die Alltagsdinge aus der DDR wurden in großen Mengen weggeworfen, weil ihr Gebrauchswert als Alltagsgüter nicht mehr gegeben war. Je einfacher, belangloser die Dinge sind, je weniger ihnen eine Bedeutung über den reinen Gebrauch hinaus zugeschrieben wird, umso mehr besteht die Gefahr des Verlustes. In den Museen wird den Dingen des Alltags erst in jüngerer Zeit Aufmerksamkeit geschenkt, aber fast immer werden die Objekte der Gegenwart vernachlässigt. Mit der Sammlung von Alltagsobjekten aus ihrem Gebrauch heraus hat das Dokumentationszentrum ein ebenso breites wie signifikantes "Sachzeugenarchiv" angelegt, zu dem weit mehr als 2000 Schenker beigetragen haben. Die Sammlungen umfassen heute mehr als 170.000 Objekte aus allen Bereichen des DDR-Alltags.

Kommentierung

In den Dingen des Alltags verbirgt sich das Erfahrungswissen der Nutzer. Es geht mit dem Ende der Erinnerung unweigerlich verloren. Das Dokumentationszentrum bemüht sich, dieses Wissen durch Interviews zu sichern. Von besonderem Wert sind Informationen über die Umstände des Erwerbs, der Nutzung und der Bedeutung der Objekte - Informationen, die sich weder in Archiven finden lassen noch der Erwähnung Wert sind, weil sie als selbstverständlich erscheinen. Dennoch sind sie eine wichtige historische Quelle, weil sie den Alltag konkret und nachvollziehbar machen.

Sicherung

Der Erhalt der Objekte ist eine wichtige Aufgabe, ebenso wie die Dokumentation aller mit den Dingen zusammenhängenden Informationen. Nur dadurch bleibt die materielle Kultur als Teil des öffentlichen Gedächtnisses verfügbar und kann für Zwecke der Bildung, Forschung und der verschiedensten kulturellen Projekte langfristig genutzt werden. Das Dokumentationszentrum dokumentiert die Objekte der Museumssammlungen in einem mehrstufigen Verfahren mit dem mittelfristigen Ziel, sie im Sinne des open access der Öffentlichkeit im Internet verfügbar zu machen.

Politische und kulturelle Bildung

Gemäß seinem Bildungsauftrag hat das Dokumentationszentrum seine Dauerausstellung mit einem breiten Angebot historischer Basisinformationen versehen, so dass vor Ort die Voraussetzungen für die Arbeit von Schulgruppen bestehen.

Für Schulklassen der Sekundarstufen I und II bieten wir von Historikern und Pädagogen betreute Schülerprojekttage und Workshops.

Öffentliche Debatte

Museumsgemäßes Medium der öffentlichen Auseinandersetzung um die Alltagskultur in der DDR sind Ausstellungen. Das Dokumentationszentrum hat, neben seiner Dauerausstellung, regelmäßig Sonderausstellungen erarbeitet, die sich mit einer breiten Palette von Aspekten der Kultur-, Sozial- und Alltagsgeschichte auseindergesetzt haben. Die Sonderausstellungen werden kontinuierlich im Jahreswechsel entwickelt, wo immer möglich werden Ausstellungskataloge publiziert. Die Ausstellungen sind für Besucher unterschiedlicher Altersgruppen und Herkunftsregionen geplant und offen für eine differenzierte Rezeption der materiellen Kultur und ihres historischen Kontextes.