Foto: Christian Ditsch

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 18.00 Uhr

 

Pegida, rechte Gewalt und Fremdenfeindlichkeit in Sachsen und Brandenburg

Vortrag und Buchvorstellung mit der Publizistin Heike Kleffner

– Eintritt frei  –

Seit der Wende kam es zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen Ausmaß an rechtsextremen und rassistischen Gewalttaten in Deutschland, bis hin zu pogromartigen Krawallen und Serienmorden. Es vollzogen sich mehrere Wellen rechtsextremer Radikalisierung, in den letzten Jahren verknüpft mit einem fremden- und europafeindlichen Populismus, der bis in die Mitte der Gesell­schaft hineinragt. Warum stand und steht Ostdeutschland im Zentrum dieser politischen und gesellschaftlichen Zuspitzung, und wie werden die erdrutsch­artigen Stimmengewinne der AFD in der Bundesagwahl die weitere Entwicklung beeinflussen?

Heike Kleffner wird in ihrem Vortrag diesen Fragen nachgehen und hierbei neben Brandenburg vor allem die Situation in Sachsen in den Blick nehmen. Das Bundesland bildete bereits ein Sammelbecken rechtsextremer Gruppierungen, als es 2014 als Ursprungsland der Pegida-Bewegung und als Hochburg des rechten Populismus auffällig wurde. In der Bundestagswahl erreichte die AFD dort ihre höchsten Stimmenanteile.

Heike Kleffner ist Mitherausgeberin des 2017 erschienenen Buches „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“ und wird zentrale Thesen aus dieser Veröffentlichung vorstellen. Namhafte Autoren aus Kultur, Wissenschaft und Politik haben zu dem Band beigetragen. In Reportagen, Features, analytischen Hintergrundtexten und persönlichen Kommentaren beleuchten sie die rassistischen Mobilisierungen, die Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Pegida-Bewegung und der AfD in Sachsen. Analysiert werden der „neue Rechtsterrorismus“ sowie die extrem rechten Parallelmilieus, aber auch die Aktionen der kreativen Zivilgesellschaft, die sich vielerorts für demokratische Werte einsetzt.

Heike Kleffner geht der Frage nach, ob die so genannten „sächsischen Verhältnisse“ ein auf den Freistaat Sachsen sowie auf andere Teile Ost­deutschlands begrenztes Phänomen bilden – und, wie immer wieder zu lesen, als eine Spätfolgen der „Wende“ verstanden werden können–, oder ob die im Osten spürbare Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte als Vorbote für zukünftige politische Veränderungen in ganz Deutschland zu interpretieren ist.

Heike Kleffner schreibt als Journalistin unter anderem für den „Tagesspiegel“ und „Die Zeit“. Seit den 1990er Jahren publiziert sie über neonazistische Gewalt und die Situation von gesellschaftlichen Minderheiten in Ost­deutschland. Sie arbeitete bis August 2017 als Fachreferentin für den NSU-Untersuchungs­ausschuss im Bundestag.