Samstag, 25. März 2017, 15.00 Uhr

Kunst.Klang

Kunstwerke der Sonderausstellung „Schlaglichter“im Dialog mit zeitgenössischer Musik

Konstanze Schröder (Violine), Betina Müller (Viola) und Nikola Götzinger (Violoncello) spielen Kompositionen von Hanns Eisler, Udo Zimmermann u.a.

Im Anschluss: Führung durch die Ausstellung mit Kurator Herbert Schirmer

Eintritt 4,- EUR

Anlässlich der dreiteiligen Ausstellung „Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)“ entstand die Idee für eine musikalisch-museale Veranstaltungsreihe an den jeweiligen Ausstellungs­orten Cottbus, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder). Unter dem Titel KUNST.KLANG erklingt am 25. März 2017 im Dokumentationszentrum zeitgenössische Kammermusik. Die drei Musikerinnen sind langjährige Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters Cottbus.

Programm:

Hanns Eisler (1898 - 1962)

Präludium und Fuge über B-A-C-H für Streichtrio; 1934

Udo Zimmermann (*1943)

Improvisation und Tanz; aus: movimenti caratteristici per violoncello solo; 1965 

Reiner Bredemeyer (1929 - 1995)

Vier Stücke für Streichtrio; 1971

Jan Cyž (*1955)

Andante und Quasi cadenza; aus: VOILÀ VIOLA pour viola sola; 1992

Ludwig Walter (1928 - 2014)

„high ehereal“; aus: Vier kurze Stücke für Streichtrio; 1993

Bernd Weinreich (*1948)

Die Grasmücke. Konzertantes Solo für Violine; 2009

Harald Lorscheider (1939 - 2005)

Sechs Miniaturen für Streichtrio; 1987

 

Nach dem musikalischen Teil führt der Kurator Herbert Schirmer zu ausgewählten Kunst­werken der Ausstellung.

Die Veranstaltungsreihe wird freundlich unterstützt von der Sparkasse Oder-Spree.

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Foto: Buchcover Ch. Links Verlag

Donnerstag, 2. März 2017, 18.00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch

„Frauen in der DDR“

Dr. Anna Kaminsky

Ort: Gesamtschule 3, Maxim-Gorki-Str. 15, 15890 Eisenhüttenstadt

Die moderne Frau in der DDR sollte nicht nur voll berufstätig sein, sie sollte sich auch ständig weiterbilden und in gesellschaftlichen Organisationen aktiv sein, sie sollte den Haushalt meistern und ihren Kindern eine gute Mutter sein.

In ihrem neuen Buch „Frauen in der DDR“ zeigt Anna Kaminsky, wie die Frauen mit dieser Vielzahl von Ansprüchen und Erwartungen umgingen. Sie betrachtet den Alltag, die Wünsche und Sehnsüchte von Frauen sowie die Reaktionen von Männern auf das geänderte Frauenbild. Der hohe Grad von berufstätigen Frauen und Müttern, der mit über neunzig Prozent im letzten Jahrzehnt der DDR zu den höchsten weltweit gehörte, wurde als Zeichen für die gelungene Gleichberechtigung genommen.

Auch heute bewegt sich die öffentliche Debatte in Sachen Gleichberechtigung um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Feminismus und Emanzipation oder in neuerer Zeit um die Sinnhaftigkeit von Quoten, die dazu beitragen sollen, Frauen verstärkt in Führungspositionen zu bringen. Die hinter all diesen Debatten und Modellen stehende Frage lautet: Welche Bedingungen braucht es, damit die verschiedenen Geschlechter gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen können?

Dr. Anna Kaminsky ist Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie studierte an der Sektion Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft der Karl-Marx-Universität in Leipzig. 1992 Promotion, 1993 bis 1998 Mitarbeit u.a. am Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung, an der Universität Münster, der Gedenkstätte Sachsenhausen und am Deutschen Historischen Museum, seit 2001 Geschäftsführerin Stiftung Aufarbeitung.

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Film: Privatbesitz

Mittwoch, 15. Februar 2017, 18.00 Uhr

VORTRAG mit Beispielen aus privaten Schmalfilmen

Acht Millimeter Alltag: Die Praxis des Familienfilms in der DDR

Sebastian Thalheim

Ihre Bilder sind kleiner als Fingernägel. Sie sind verwackelt und unscharf. Doch für einen Kulturhistoriker sind es kostbare Schätze.

8 mm- und Super 8-Filme aus der DDR zeigen den Wochenendausflug in den Schreber­garten, die Jugendweihe, die Ungarnreise, die Maidemonstration, Westwaren und den Mauerfall. Mit der AK8, Admira oder Quarz wurde gefilmt, was den Menschen in der DDR wichtig war. Damit sind die „Schnürsenkel“-Filme wertvolle Quellen über das Leben im Sozialismus, denn sie entstanden, anders als der vom Kulturbund geförderte Amateurfilm, außerhalb staatlich organisierter Freizeitgestaltung.

Doch lässt sich die Schmalfilmkultur der DDR nicht als Nischenpraxis erklären. Für die Fotokinoindustrie waren die Apparaturen und Filme wichtige Konsum- und Exportartikel. Die Werbeanzeigen und -filme bedienten sich transnationaler Bilder von Kernfamilie mit Kindern. Der Fotokinoverlag bot in zahlreichen Publikationen Sinn- und Gestaltungs­angebote und in den 1970er und frühen 1980er Jahren widmete sich sogar ein Amateur­film­festival dieser Thematik: Das Oberhofer Freizeit Filmfestival. Und schließlich dienten die Filme als Kommunikationsmedium innerhalb der Familie, als auch außerhalb bei ge­selligen Abenden mit Kollegen und Nachbarn oder einem Besuch der Westverwandt­schaft.

In seinem Vortrag beschreibt Sebastian Thalheim die Praxis des Familienfilmens in der DDR, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit erforscht. Dabei stellt er Ausschnitte aus privaten Familienfilmen, Ratgebern, Eingaben an staatliche Institutionen, Werbeanzeigen, Werbefilme und auch Interviews von ehemaligen Filmern vor.

Im Anschluss an den Vortrag wird den Besuchern die Möglichkeit gegeben, Ausschnitte aus eigenen Schmalfilmen zu präsentieren und zu diskutieren. Bitte melden Sie sich dafür an.

Sebastian Thalheim M.A. hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Seminars für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster und gibt Kurse zu Historischen Methoden und zum ethnografischen Filmemachen. Seit 2014 arbeitet er an seiner Dissertation „Familienfilm in der DDR. Schmalfilmkultur zwischen staatssozialistischem Ideal und Alltagsbildern“.

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Foto: DOKfilm Fernsehproduktion GmbH

Dienstag, 8. November 2016, 18.00 Uhr

Gespräch und Lesung

Manfred Stolpe „Von Pommern nach Potsdam“

Manfred Stolpe stellt im Gespräch mit dem Verleger André Förster sein neues Buch vor: „Von Pommern nach Potsdam. Ein Leben im Gespräch.“/vbb verlag für berlin-brandenburg.

Ort: Evangelisches Gemeindezentrum, Robert-Koch-Strasse 37

Eintritt: 3 EUR, Schüler und Studierende frei

Manfred Stolpe wurde im vergangenen Mai 80 Jahre alt – eine gute Gelegenheit, zurückzublicken und ihn aus seinem Leben berichten zu lassen. In großer Offenheit erzählt Stolpe von seiner Kindheit in Pommern und seiner Arbeit als Jurist in der evangelischen Kirche der DDR. Er spricht über sein besonderes Verhältnis zu Regine Hildebrandt, schildert, wie er den politischen Umbruch 1989 erlebt hat, und beschreibt, wie er als Ministerpräsident das neugegründete Land Brandenburg mehr als ein Jahrzehnt lang führte, bis er im Jahre 2002 Bundesverkehrsminister wurde.

Im zweiten Teil des Abends berichtet Manfred Stolpe über seine beruflichen und persönlichen Verbindungen zur Stadt Eisenhüttenstadt und zur Evangelischen Friedenskirchengemeinde. Als Träger wichtiger Ämter im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR sowie als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg begleitete und unterstützte er auch über lange Jahre hinweg die Arbeit der Friedenskirchengemeinde in Eisenhüttenstadt und ebnete ihr den Weg zum 1978 begonnenen Bau des Gemeindezentrums in der Robert-Koch-Straße. Ab 1990 setzte sich Stolpe als Ministerpräsident intensiv für den Erhalt des Stahlstandortes Eisenhüttenstadts ein.

Die Veranstaltung ist Bestandteil der Vortragsreihe des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR und wird gemeinschaftlich durchgeführt mit der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Eisenhüttenstadt.

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Filmstill: 1000KM-04©DEFA-Stiftung

Mittwoch, 28. September 2016, 18.00 Uhr

Mittwoch, 23. November 2016, 18.00 Uhr (Wiederholungsveranstaltung)

VORTRAG mit Filmbeispielen

Eisenhüttenstadt in den Filmen der DEFA

Christine Kisorsy, Fotografin und Kuratorin (Berlin)

- Eintritt frei -

Auf die Planstadt Eisenhüttenstadt und das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) richten Historiker und Kulturwissenschaftler nicht erst seit 1989 immer wieder ihren Blick. Doch das Bild von Stadt und Werk im Film ist bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Dies überrascht, denn diesem Medium wurde in der DDR aufgrund seiner Popularität hohe Bedeutung für die Darstellung der mit Stadt und Werk verbundenen Aufbauerfolge beigemessen. So bannten die Kameramänner der DDR-Wochenschau „Der Augenzeuge“ebenso wie renommierte DEFA-Dokumentaristen und Amateure die Stadt wiederholt auf
Celluloid.

Christine Kisorsy zeigt in ihrem Vortrag nun das filmisch vermittelte Bild der Arbeiterstadt und des EKO. Sie stellt dazu zahlreiche Auszüge aus Wochenschauen, Dokumentar- und Spielfilmen der Jahre 1953 bis 1987 vor, die sie nach umfangreichen Recherchen aus den Archiven der DEFA zusammenstellen konnte.

Die Planstadt und das Eisenhüttenkombinat waren seit ihrer Gründung 1950/51 bis zum Ende der DDR immer wieder im Fokus medialer Darstellungen. Vor allem in der Zeit des „Aufbaus“ galt ihr Beispiel als symbolhaft für die gesamte DDR. Die Brüche und Veränderungen, welche die Geschichte der DDR kennzeichnen, ließen aber auch das „Image“ von Eisenhüttenstadt nicht unberührt. Vielmehr vollzog sich über die Jahrzehnte hinweg ein deutlicher Wandel in der Rolle, die dieser Stadt zugeschrieben wurde, und auch das Leben ihrer Bewohner änderte sich. Dies macht das Filmschaffen der DEFA, besonders bei Gegenüberstellung von Filmen unterschiedlicher Entstehungsphasen und ihrer jeweiligen Symbolbilder, unmittelbar nachvollziehbar.

Von Christine Kisorsy vorgestellt und kommentiert werden vor allem Dokumentarfilme, aber auch die wenigen fiktionalen Filme, die sich Eisenhüttenstadt zuwandten. Sie zeigt unter anderem Auszüge aus NACH 900 TAGEN (1953, Karl Gass), DAMALS UND HEUTE (1955, Walter Marten), MÄRKISCHE NOVELLE (1957, Max Jaap), OFENBAUER (1962, Jürgen Böttcher), DIE SUCHE NACH DEM WUNDERBUNTEN VÖGELCHEN (1964, Rolf Losansky), WEGGEFÄHRTEN (1974, Rolf Schnabel u.a.), DAMIT DER STAHL DEM FRIEDEN DIENT (1987, Filmstudio der NVA) sowie verschiedene Beiträge der DDR-Wochenschau DER AUGENZEUGE und des DDR-MAGAZINS.

Christine Kisorsy ist mit der Geschichte Eisenhüttenstadts eng vertraut: 2015, zum 65. Stadtgeburtstag, zeigte sie ihre Fotoausstellung zum „Hotel LUNIK“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

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Foto: Thomas Kemnitz / VIMUDEAP.info

Sonntag, 28. August 2016, 11.00 bis 13.00 Uhr

FINISSAGE - JUNGE KUNST IM AUFTRAG
FDJ-Jugendhochschule Bogensee 1983-86 

Rundgang mit dem Kurator Herbert Schirmer und Zeitzeugengespräch mit Bernd Ludewig (ehem. Projektkoordinator des FDJ-Zentralrats)

Eine Veranstaltung des Kunstarchivs Beeskow in der Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.             

Das Kunstarchiv Beeskow lädt Sie herzlich ein zur Finissage der Sonderausstellung „Junge Kunst im Auftrag“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Die nunmehr ausklingende Schau zeigt erstmals eine größere Auswahl dessen, was der FDJ-Zentralrat einst bei den Kunsthochschulen der DDR in Auftrag gab, um die „Kaderschmiede“ zur Ausbildung von Funktionären der sozialistischen Jugendbewegung bildkünstlerisch auszugestalten.

Der Kurator der Sonderausstellung, Herbert Schirmer, sowie der ehemalige Koordinator des FDJ-Zentralrats für das Bogensee-Projekt, Bernd Ludewig, sprechen über die Werke und ihren Entstehungshintergrund. Hierbei wird es auch um die Frage gehen, wie junge Künstler das letzte Jahrzehnt der DDR erlebten und ob sie über ihre Zeit hinaus Zeichen zu setzen vermochten.

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Foto: Klein, 14.8.1952 (Bundesarchiv, Bild 183-15848-0001/CC-BY-SA 3.0)

Vortrag, Mittwoch, 22. Juni 2016, 18.00 Uhr

Zum 75. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941

Gedenken unter dem Stern ?  Geschichte und Zukunft des „Platzes des Gedenkens“ in Eisenhüttenstadt

Referent:
Axel Drieschner
, Kurator Dokumentationszentrum

Begrüßung:
Hartmut Preuß, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt

Vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Deutschland die Sowjet­union. Es führte den Krieg als weltanschaulichen und rassenideolo­gischen Vernichtungskampf. Dies zeigt sich exemplarisch am Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen. Binnen Monaten ließ die Wehr­macht sie systematisch verelenden und Hundert­­tausende verhun­gern. Von den 5,7 Millionen Rotarmisten in deutschem Gewahrsam kamen bis 1945 über drei Millionen ums Leben.

Zu den Orten dieses Massensterbens zählte das Kriegs­gefangenenlager STALAG III B in Fürstenberg (Oder), heute Eisenhüttenstadt. Mehr als 4.000 sowjetische Soldaten kamen hier zu Tode. Hauptursache war der Entzug von Nahrung und medizinischer Versorgung, daneben die auszehrende Zwangsarbeit an Orten wie der Baustelle des „Kraftwerks Vogelsang“ am Rande der Stadt.

Die sowjetischen Opfer wurden in Massengräbern begraben und beim Bau des Eisen­hüttenkombinats in die neu gegründete Wohnstadt überführt, an eine Stelle, die in ersten Überlegungen als Zentraler Platz konzipiert war. Es entstand der damals größte sowjetische Ehren­friedhof im Land Brandenburg.

Über den Grab­kammern wurde 1951 ein monumentaler Obelisk errichtet und in seinem Vorfeld ein weiträumiger Kundgebungsplatz geschaffen. Bis 1992 wurde er „Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ genannt, seitdem heißt er „Platz des Gedenkens“. 1953 vollzog Walter Ulbricht hier die Namensgebung von Stalinstadt.

Bis 1989 blieb dies ein Ort politischer Manifestationen, vor allem des Bündnis­bekenntnisses zur Sowjetunion und des rituellen Anti­faschis­mus, aber zugleich auch ein Ort des alltäglichen Lebens. Nur eines durfte er nicht sein: eine Stätte realer Erinnerung an die im STALAG III B umgekommenen sowjetischen Gefangenen, denn diese Opfergruppe passte nicht zu dem von der UdSSR und der DDR propagandistisch erwünschten Bild des heroischen und siegreichen Rotarmisten.

Mit dem Ende der DDR büßte der Platz seine überkommenen Funktionen ein, ohne dass sich neue Ansprüche auf ihn richteten. Als vergessener Stadtraum bildet er seitdem ein Symbol unbewältigter historischer und politischer Verwerfungen. Bis heute erinnert (beinahe) nichts an das konkrete Schicksal der hier ruhenden Toten, statt dessen dominiert ungebrochen der inhaltliche und gestalterische Zugriff aus der Endphase des Stalinismus.

Welchen Stellenwert wird der Platz künftig als Gedenkort und als öffentlicher Raum besitzen? Wie lässt sich leben mit seiner zwar denkmalgeschützten, uns aber fremd gewordenen steinernen Monumentalität? Wie gelangt man hier von einem anonymen, formelhaften „Gedenken“ zu historisch konkreter Erinnerung und Information, die Orientierungshilfe für die Zukunft bieten kann? Neue Ansatzpunkte eröffnen sich dank der Initiative russischer Nachkommen von Opfern. Sie haben die Namen eines Großteils der Verstorbenen zusammengetragen und sie vor einigen Jahren der Stadt Eisenhüttenstadt übergeben, damit sie über den Gräbern angebracht werden.

Der Vortrag beleuchtet die politischen und architektonischen Entstehungshintergründe des Denkmalsplatzes anhand aktueller Forschungsergebnisse und formuliert Diskussions­anstöße für den künftigen Umgang mit diesem Erbe zur Diskussion. Zugleich würdigt er das Schicksal der nach dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion vor 75 Jahren im STALAG III B umgekommenen sowjetischen Soldaten.

Eintritt:

Vorverkauf: 3,- EUR / Abendkasse: 4,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei

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Berlin, Rundfunkhaus in der Nalepastraße, Großer Sendesaal 1 (Foto: G. Wehowsky, 2008)

Vortrag, Donnerstag, 2. Juni 2016, 18.00 Uhr

Franz Ehrlich. Architekt zwischen Bauhaus, Buchenwald und DDR-Kulturdoktrin

Tanja Scheffler, Architekturhistorikerin (Dresden)

Die Bauhistorikerin und Architektur­journalistin Tanja Scheffler beleuchtet in ihrem Vortrag die vielschichtige Biographie und das facettenreiche architek­tonische und künstlerische Schaffen Franz Ehrlichs (1907–1984). Sie forscht seit langem zur Planungs- und Baugeschichte der DDR und befasste sich in den letzten Jahren auch intensiv mit dem Wirken Ehrlichs.

Gestützt auf seine Biographie als Kommunist, Buchenwald-Häftling und Mitglied des „antifaschistischen Widerstandes“ ging Ehrlich in der DDR seinen ganz eigenen Weg. Die öffentliche Anerkennung blieb ihm dadurch freilich lange Zeit verwehrt.

Der am Bauhaus Dessau ausgebildete Ehrlich war Designer, Graphiker, Künstler und einer der vielseitigsten Architekten der DDR. Für die Deutschen Werkstätten Hellerau entwickelte er neben prestigeträchtigen Innenraumausstattungen zahlreiche Einzel- und Typenmöbel. Seine vielfältig kombinierbare, in großen Stückzahlen hergestellte „Serie 602“ gehörte zu den beliebtesten Möbel-Serien der DDR. Seit der Wende werden diese Regale, Kommoden und Tische als international gefragte Design-Klassiker gehandelt.

In den 1950er Jahren realisierte Ehrlich in Ost-Berlin mit dem als Drehort zahl-  reicher Kino- und Fernsehfilme international bekannt gewordenen Rundfunkhaus in der Nalepastraße und einem Klinik-Neubau in Buch dezidiert moderne Bauten, gestalterisch „auf Augenhöhe“ mit dem Westen.

Kaum bekannt ist jedoch, dass Franz Ehrlich mit seinen (später von Kurt W. Leucht überarbeiteten) Wettbewerbsentwürfen 1950 die städtebauliche Konzeption des heutigen Eisenhüttenstadt wesentlich mitbestimmte. Sowohl die axiale Ausrichtung der Stadt auf das Werk, ihre fächerförmige Figur, die Gliederung in verschiedene Wohnkomplexe sowie die Anordnung vieler öffentlicher Bauten und Plätze gehen im Kern auf ihn zurück.

Franz Ehrlich war ein enorm produktiver Entwerfer. Er war zeitweise Wiederaufbau­referent in Dresden, Chef-Architekt der Leipziger Messe und entwarf - nachdem sich seine Möbel zu Exportschlagern entwickelten - die Interieurs für zahlreiche DDR-Handelsvertretungen und Botschaften im (oft westlichen) Ausland. Dabei agierte er selten systemkonform. Als „Bauhäusler“ in der stalinistischen Ära und später als vehementer Kritiker des immer rigider werdenden industriellen Wohnungsbaus stellte er sich gegen die architekturpolitischen Vorgaben der SED.

Selbst während seiner Zeit als KZ-Häftling im Baubüro der SS bewahrte sich Ehrlich Momente des Eigensinns. Beauftragt mit dem Entwurf der alsbald berüchtigten Torinschrift von Buchenwald („Jedem das Seine“), benutzte er die von den Nazis verfemte Bauhaus-Typographie.

Eintritt:

Vorverkauf: 4,- EUR / Abendkasse: 5,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei

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Blick vom Hochhaus in der Lindenstraße zum Zentralen Platz (Foto: DOK)

Zum Internationalen Museumstag

Am Sonntag, den 22. Mai 2016, nahmen zahlreiche Besucher das Angebot des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR anlässlich des 39. Internationalen Museumstags wahr. Mehr als achtzig Personen besuchten bei freiem Eintritt das Haus.

Neben den Ausstellungen fanden die Vorträge der Bereichsleiterin Stadtentwicklung der Stadt Eisenhüttenstadt, Christiane Nowak, sowie der Landschaftsarchitekten Dr. Peter Fibich und Hagen Engelmann, die unter dem Motto Eisenhüttenstadt. Stadt mit Freiraum standen, sehr guten Anklang. Mit gut vierzig Besuchern war das zum Vortragssaal umgestaltete Foyer restlos besetzt.

Die anschließende Führung durch den Stadtraum, die erst nach 18 Uhr auf der Dachterrasse eines der Hochhäuser an der Lindenallee ausklang, gab Gelegenheit zu vielen Gesprächen zwischen Einwohnern, Experten und Garteninteressierten.

Das Dokumentationszentrum bedankt sich bei den Besuchern für ihr Interesse, bei den Referenten für die Mitgestaltung des Tages und bei der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH für die freundliche Unterstützung.

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Foto: Bernd Geller

Internationaler Museumstag

Sonntag, 22. Mai 2016, 11 bis 17 Uhr

Freier Eintritt zu unseren Ausstellungen

Alltag: DDR (Dauerausstellung)

Junge Kunst im Auftrag. FDJ-Jugendhochschule Bogensee 1983-86

 

STADT MIT FREIRAUM
Gartenkunst in Eisenhüttenstadt einst und jetzt
- Expertenvorträge und Rundgang -

 Programmablauf

14.00 Uhr    Begrüßung
Axel Drieschner, Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

14.10 Uhr   Grußwort
Christiane Nowak, Bereichsleiterin Stadtentwicklung/Stadtumbau

14.30 Uhr   Vortrag
Landschaftsarchitektur in neuen Städten der DDR - ein Überblick
Dr. Peter Fibich, Freiraumkonzepte GbR Landschaftsarchitekten (Bad Lausick/Glasten)

Diskussion / Pause

15.30 Uhr   Führung
zu ausgewählten Grünflächen der Stadt und Blick von einem Hochhaus in der Lindenallee
Hagen Engelmann, Landschaftsarchitekturbüro Engelmann (Cottbus)

17.00 Uhr   Schluss

Zum Thema

Als Planstadt aus der Aufbauzeit der DDR bild Eisenhüttenstadt ein einzigartiges Zeugnis europäischer Stadtbaukunst. Es ist Ziel von Architektur- und Geschichts­interessierten aus aller Welt. Meist steht dabei das bauliche Erbe im Mittelpunkt. Hohen Anteil an der Schaffung einer lebenswerten Umwelt besitzen aber auch die gärtnerisch gestalteten Grünflächen. Sie haben eine schmückende Funktion, dienen der Erholung und sind von Bedeutung für die Durchlüftung des Stadtgebiets und die Regulierung des Mikroklimas.

Kennzeichnend für das Kerngebiet der Stadt mit den Wohnkomplexen I bis IV sind die großen Grünachsen und halböffentlichen Wohnhöfe. Sorgfältig ausgewählte Gehölze unterschiedlicher Wuchsformen, Blütezeiten und Blattfärbungen setzen hier räumliche Akzente, haben eine Orientierungsfunktion und beleben über das Jahr hinweg das Stadtbild. Rund einhundert Baumarten sind hier vertreten, vom Kugelahorn, über die japanische Zierkirsche bis hin zum Honigbaum. Hinzu kommen aufwendig bepflanzte Blumenrabatten, wie an der Lindenallee und am Gartenfließ.

Das Motto des 39. Internationalen Museumstages „Museen in der Kulturlandschaft“ nehmen wir zum Anlass, Ideal und Wirklichkeit der Freiraumplanung und Garten­architektur in Eisenhüttenstadt näher zu beleuchten. Ausgewiesene Experten der Landschaftsarchitektur und Gartenbaugeschichte führen durch das Programm, zu  dem wir Sie herzlich einladen.

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Geheimobjekt „Falke“, Stasi-Schulungszentrum bei Briesen (Mark), BStU

Vortrag / Buchvorstellung

Donnerstag, 12. Mai 2016, 18.00 Uhr

„RAF im Osten – Terroristen unter dem Schutz der Stasi“ 

Dr. Frank Wilhelm, Journalist beim Nordkurier (Neubrandenburg)

Die linksextremistische Rote Armee Fraktion (RAF) hatte in der Bundes­republik zwischen den 70er und 90er Jahren etliche Sprengstoff­attentate, grausame Entführungen bis hin zu Morden zu verantworten. Was nie­mand für möglich hielt: zehn RAF-Aus­steiger, die in der BRD seiner­-zeit mit Strafbefehl gesucht wurden, fanden in der DDR während der 80er Jahre Unter­schlupf – ge­deckt von der Staats­sicherheit; darunter Namen wie Silke Maier-Witt (in Hoyerswerda, Erfurt und Neu­branden­burg), Henning Beer (Neubrandenburg), Inge Viett (Dresden, Magdeburg) oder Susanne Albrecht (Köthen, Dubna).

Zu DDR-Bürgern umgeschult wurden die Ex-Terroristen im "Forsthaus an der Flut", einem Geheimobjekt des MfS nahe Briesen. Nichtsahnend von der Öffentlichkeit wurden sie dort mit neuer Identität versorgt, um bis zur Wende mitten im ganz normalen Alltag zu leben. Zwei von ihnen tauchten 1980 in Eisenhüttenstadt unter, Monika Helbig und Ekkehard Freiherr von Seckendorff-Gudent. Hier heirateten sie und lebten unter den Namen Elke und Horst Winter. Von Seckendorff-Gudent absolvierte im hiesigen Krankenhaus seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin, ab 1986 leitete er eine Beratungsstelle für Alkohol- und Medikamenten­abhängige in Frankfurt/Oder.

In seinem neu erschienenem Buch rekonstruiert Frank Wilhelm minutiös das Zusammenspiel von MfS und RAF. Dazu hat er Hunderte von Stasiakten ausgewertet und mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen.

Die Buchvorstellung bildet den Auftakt zu einer neuen Vortragsreihe im Dokumentations­zentrum, die DDR-Geschichte unter Berücksichtigung auch ihrer regional- und stadtgeschichtlichen Dimensionen beleuchtet. Weitere Termine werden in Kürze bekanntgegeben.

Eintritt:

Vorverkauf: 4,- EUR / Abendkasse: 5,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei