Sporttage der Jugend, FDJ/FDGB 1949
Kollektiv der Sozialistischen Arbeit, Rudolf Sittner, DEWAG Cottbus, 1977
Schein und Sein, Martin Hoffmann, Eigenauftrag, 1988
Dialog für den Sozialismus, Alexander Schiel, Verlag für Agitations- und Anschauungsmittel, 1989

Sonntag, 13. Mai 2018, 12.00 Uhr

Kuratorenführung durch die Sonderausstellung

SINNBILDER - Politische Bildwelten in Plakaten der DDR

 - Die Führung ist kostenlos, bei regulärem Eintrittspreis. –

weitere Termine: 24.2., 15.4. jeweils 14 Uhr und am 13.05.2018 um 12 Uhr

Politische Plakate erschienen in der DDR zu Jahrestagen, Staatsfesten und Großveranstaltungen, sie riefen zur Teilnahme und Zustimmung auf, sollten Themen setzen und Leitbilder vermitteln. Um ihre Botschaften zu formulieren, nutzten Plakate wiederkehrende Losungen und Motive, die den Betrachtern aus dem Schulunterricht, den Massenorganisationen oder aus politischen Kampagnen bekannt waren. Auch Konsum- und Kulturplakate enthielten oft politische Aussagen.

Lange Zeit waren Plakate im öffentlichen Raum nahezu allgegenwärtig. Später wurden sie in der politischen Kommunikation durch andere Medien in den Hintergrund gedrängt, doch erschlossen sie sich neue Verbreitungsformen durch Ausstellungen, Sammelmappen oder Buchpublikationen. Das Plakat behielt damit seine Bedeutung als populäres und modernes Bildmedium. Heute beeinflusst es die kulturhistorische Rückschau auf den Realsozialismus. Es lohnt sich daher ein genauer Blick auf die politischen Bildwelten in Plakaten der DDR sowie auf ihre Veränderungen und Konstanten im zeitlichen Verlauf.

Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR verfügt über einen Plakatbestand von mehreren tausend Blättern. Er basiert auf Schenkungen teils größerer Konvolute, ferner auf dem Tausch mit anderen Institutionen und vereinzelt auf Ankäufen. Vertreten sind Plakate aus der gesamten Zeit der DDR mit Schwerpunkt auf den 1970er und 1980er Jahren.

Für die Ausstellung wurden rund einhundert politische Plakate ausgewählt. Zu sehen sind außerdem Plakatmappen, Ausschneidebögen und Demonstrationsbanner. Fragt man nach der Wirkungskraft von Plakaten, sind Art und Weise ihres Gebrauchs zu berücksichtigen: Wie und in welchem Umfeld wurden Plakate gezeigt, und wie wurden sie von ihrem Publikum wahrgenommen? Antworten darauf geben in der Ausstellung Fotoserien von Thomas Kläber und Ulrich Wüst aus dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK). Sie dokumentieren die Präsenz politischer Plakate im urbanen Raum, in Betrieben und öffentlichen Gebäuden. Damit konfrontieren sie den Anspruch einer umfassenden Politisierung des Alltags mit den Realitäten in der DDR.

Alljährlich beworben wurden vor allem der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ und der 7. Oktober als Gründungsdatum der DDR. Zu runden Jahrestagen erinnerten Plakate an historische Ereignisse und Persönlichkeiten, etwa an die Oktoberrevolution von 1917 und an die Geburtstage von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin. In ihrer Selbstdarstellung bezog sich die DDR auf einen engen Bestand an Themen, denen jeweils visuelle Erkennungszeichen Zugeordnet waren. Die Taube etwa galt als Sinnbild des Friedens, während der Hammer oder der Bauhelm die „herrschende Arbeiterklasse“ symbolisierten. Der Regenbogen stand für das Glücksversprechen der sozialistischen Gesellschaft, die erhobene Faust als Zeichen der Solidarität mit anderen Völkern im Kampf gegen den „Imperialismus“ westlicher Mächte. Fahnen erschienen auf Plakaten als Würdeformeln, anknüpfend an den politischen Kult, der in der DDR um Flaggen und Banner praktiziert wurde. Diese und weitere Bedeutungselemente wurden oft versatzstückartig kombiniert. Schüler und Werktätige wurden angeleitet, unter Nutzung dieser Methode selbst Plakate und Wandzeitungen zu gestalten. Damit wurden die Adressaten ihrerseits zu Produzenten von „Agitationsmitteln“.

Zu besonderen Ereignissen schrieben der Verband bildender Künstler sowie Massenorganisationen und Regierungsstellen Plakatwettbewerbe aus, deren Ergebnisse in der Fachpresse ausführlich vorgestellt wurden. Am Wettbewerb anlässlich der Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Jahr 1973 in Ost-Berlin beteiligten sich neben Gebrauchsgrafikern führende bildende Künstler der DDR. Die Gestaltungsqualität der Plakate sollte durch solche Konkurrenzen gehoben und ihr künstlerischer Anspruch betont werden.

Wie alle Massenmedien in der DDR unterlag die Plakatproduktion einer ausdifferenzierten Kontrolle durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Hauptauftraggeber waren die SED und die von ihr abhängigen  Massenorganisationen und Regierungsstellen. Die Herstellung und den Vertrieb von Plakaten besorgte die Deutsche Werbe und Anzeigengesellschaft (DEWAG). Sie war faktisch in Parteibesitz und unterstand seit 1962 der Abteilung Agitation beim Zentralkomitee der SED. 1975 wurde die politische Werbung zum Teil aus der DEWAG ausgegliedert und dem neu gebildeten Verlag für Agitations- und Anschauungsmittel zugewiesen. Die zentrale Steuerung der Medien führte zu einer Begrenzung der Inhalte auf wenige Leitthemen, die sich bis zum Ende der DDR kaum wandelten. 

Gesellschaftliche Probleme, wie die Wohnungsnot und die Gefahr eines Krieges, wurden von der „Sichtagitation“ nicht ausgeblendet, sondern in der Sprache der Partei aufgegriffen. Die gelieferten Antworten ließen ungewollt auch politische Widersprüche hervortreten. So bezog die Friedenspropaganda einerseits Stellung gegen die nukleare Aufrüstung (vornehmlich des Westens), idealisierte andererseits aber die Rolle des Militärs in der DDR. Ökologische Themen wurden allenfalls vorsichtig angedeutet. 

Politische Plakate galten jedoch nicht nur als „Waffen“ der Agitation, sondern auch als Werke der Kunst, die als Ausweis eines kulturell entwickelten Gemeinwesens Förderung erfuhren. Aufgrund dieses Doppelcharakters eröffneten sich für ihre Autoren Spielräume jenseits des propagandistischen Auftrags. Besonders in den 1980er Jahren nutzten Plakatgestalter wie Manfred Butzmann und Martin Hoffmann dies für gesellschaftskritische Kommentare.

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Bundesarchiv, Bild 183-37872-0007 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-29781-0002 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-26012-0003 / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-26012-002 / Sturm, Horst / CC-BY-SA 3.0

Donnerstag, 12. April 2018, 18.00 Uhr

Lichtbildvortrag

„Sharing Heritage“

Die Planstadt Eisenhüttenstadt - Stätte des europäischen Kulturerbes? Ein Diskussionsbeitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018

Professor  Dr. Jörg Haspel, Direktor des Landesdenkmalamts Berlin, Präsident des deutschen Nationalkomitees im Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS

 - Eintritt: 4 EUR, bis 18 Jahre frei–

Im geteilten Deutschland war der Akt einer umfassenden Stadtneuschöpfung, wie ihn die Errichtung der Wohnstadt des Eisenhüttenkombinats darstellte, nahezu einzigartig. Er stand unmittelbar in Verbindung mit der Gründung der DDR und dem Vorhaben zur „sozialistischen Umgestaltung“ der Staats- und Gesellschaftsordnung. Architektur und Städtebau sollten diese Neuorientierung auf ihre Weise befördern. Das Kriterium der Wirtschaftlichkeit trat darüber vorübergehend in den Hintergrund. Vielmehr sollte eine modellhafte städtebauliche Lösung von der Überwindung des Elends der Nachkriegsjahre und vom Versprechen wachsenden Wohlstands für alle künden. Dies geschah bis Mitte der 50er Jahre durch repräsentative, traditionelle Stadtbaukunst, wie wir sie in Eisenhüttenstadt in den Wohnkomplexen I bis III vorfinden. Um 1960 setzen die Bebauung der Magistrale mit „Punkthochhäusern“ und großzügig verglasten Ladenzeilen nochmals architektonische Glanzlichter.

Das Beispiel Stalinstadt bzw. Eisenhüttenstadt stand in Europa freilich nicht allein. Mit Nova Huta (Polen), Dimitrowgrad (Bulgarien) und Dunaújváros (Ungarn) entstanden nahezu zeitgleich weitere industrielle Planstädte als „Leuchtturmprojekte“ der sozialistischen Aufbauperiode. In diesem Sinnen wurden in den Metropolen wie Warschau und Ost-Berlin ebenfalls städtebauliche Großprojekte umgesetzt, dort durch die Gestaltung aufwendiger Magistralen. All diese Projekte bezogen sich - in Abgrenzung vom Westen, wo die Moderne dominierte - auf traditionelle, z.B. klassizistische oder barocke Vorbilder der Architektur und der Stadtbaukunst. Als wenige Jahre später auch die östlichen Staaten ihr kulturelles Selbstverständnis an der Moderne ausrichteten, verloren diese frühen repräsentativen Bauprojekte an öffentlicher Wertschätzung. Dies Änderte sich erneut nach der Systemwende Ende der 1980er Jahre. Die spezifischen baulichen und urbanen Qualitäten konnten nun unbelastet von ihren einstigen politischen Zuschreibungen betrachtet werden. Sie waren jetzt Zeugen und nicht länger Instrumente einer politisierten Baukultur, wie sie während des Kalten Krieges in Ost und West praktiziert wurde.

Neben dem Schutz und der Pflege dieser baulichen und urbanistischen Großkomplexe geht es heute vor allem um die Frage ihrer Vermittlung und Aktivierung eines gemeinsamen europäischen Selbstverständnisses. Welche Potentiale bergen sie für die Entwicklung geschichtskultureller Bezüge, etwa der Stärkung der lokalen Identität wie auch der kultur- und geschichtstouristischen Ausstrahlungskraft? Welche Chancen eröffnen hierbei grenzüberschreitende Initiativen?

Im Jahr 2006 entstand eine zwischenstaatliche Initiative europäischer Staaten zur Auszeichnung von Kulturdenkmalen mit einem „Europäische Kulturerbesiegel“, die 2011 als EU-Initiative aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Zu den Denkmalen und Stätten, die in dieser Frühphase die Auszeichnung erhielten, zählen in Deutschland die Bundesländer übergreifenden Netzwerke „Eiserner Vorhang“ und „Stätten der Reformation“.

Seit 2013 verleiht der Europarat das „Europäische Kulturerbesiegel“ in einem ausdifferenzierten Bewerbungs- und Bewertungsverfahren an Stätten von transnationaler Bedeutung. Es ist in der breiten Öffentlich noch wenig bekannt, ganz im Unterschied zu der seit vier Jahrzehnten etablierten Welterbeliste der UNESCO. Ausgezeichnet werden sollen mit dem Europäischen Kulturerbesiegel Stätten, die Symbole und Beispiele der europäischen Einigung, der Ideale und der Geschichte der EU sind. Auswahlkriterium ist vor allem der symbolische Wert der Stätten für eine gemeinsame europäische kulturelle Identität, zudem sollen die geschichtsdidaktischen Potentiale, vor allem in Hinblick auf junge Menschen, eine wichtige Rolle spielen. Zu den bisher mit dem Siegel ausgezeichneten Stätten zählen in Deutschland das Hambacher Schloss als ein Hauptschauplatz der demokratischen Bewegung im Vormärz sowie die historischen Rathäuser in Münster und Osnabrück als Orte des Westfälischen Friedens.

Professor Jörg Haspel wird den Stand der Bestrebungen um transnationale serielle Nominierungen sozialistischer Stadtanlagen für die Welterbeliste der UNESCO vorstellen und Chancen und Potentiale für eine Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel zur Diskussion stellen. Erörtert werden soll auch die Frage, welche Rolle Eisenhüttenstadt im Rahmen solcher grenzüberschreitender Initiativen zukommen könnte. Das Anliegen des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 unter dem Motto „Sharing Heritage“ bildet dafür einen aktuellen Ausgangspunkt. Als Präsident des deutschen Nationalkomitees im Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS ist Jörg Haspel unmittelbar in Initiativen und Diskussionen um multinationale Initiativen und Kooperationsvorschläge für Welterbe- und Europaerbe-Vorschläge eingebunden.

Prof. Dr. Jörg Haspel: Studium der Architektur und Stadtplanung in Stuttgart sowie Studium der Kunstgeschichte und Empirischen Kulturwissenschaft in Tübingen. Seit 1982 im Denkmalschutz tätig, zunächst in Hamburg, seit 1992 in Berlin als Landeskonservator und Direktor der Landesdenkmalbehörde. Stiftungsratsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Präsident des deutschen Nationalkomitees im Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS.

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Donnerstag, 22. März 2018, 18.00 Uhr

Vortrag und Filmabend

Die Kinderzeitschrift BUMMI.
Vom Spielzeugland in die ostdeutsche Wirklichkeit

mit Jeanette Toussaint (Kulturwissenschaftlerin)
und Dr. Ralf Forster (Filmhistoriker)

- Eintritt: 4 EUR, bis 18 Jahre frei -

Seit sechzig Jahren begeistert die Vorschulzeitschrift BUMMI Kinder mit Angeboten zum Lesen, Basteln und Spielen. Titelheld ist ein gelber Bär, der 1957 aus dem Spielzeugland nach Berlin zog. In der DDR sollte er Drei- bis Sechsjährigen das Leben in einem sozialistischen Land erklären. Zugleich förderten Bildergeschichten, Mitmachaktionen, Rätsel, Lieder, Gedichte und Bastelbögen die Kreativität. Das Vorschulmagazin erreichte bis 1989 eine Auflage von einer Dreiviertelmillion und war im Abonnement sowie im freien Verkauf erhältlich. Eltern und Kindergärtnerinnen nutzten das Magazin, um praktische Fähigkeiten zu vermitteln und Kinder politisch zu erziehen. Doch die ideologischen Botschaften in BUMMI stießen auch auf Kritik, unter anderem von kirchlichen Kreisen.

Die Zeitschrift war das Lebenswerk der Chefredakteurin und Erfinderin der BUMMIFigur Ursula Böhnke-Kuckhoff. Sie verfasste viele Geschichten und legte Wert auf eine ansprechende Illustration. So prägten 143 Grafikerinnen und Grafiker wie Richard Hambach, Manfred Bofinger und vor allem Inge Meyer-Rey als zeichnerische Erfinderin des BUMMI das visuelle Erscheinungsbild.

In den 1960er Jahren erfuhr BUMMI – verbunden mit einem kurzzeitig reformierten DDR-Wirtschaftskonzept – eine umfangreiche multimediale Verbreitung im DDRAlltag: Es entstanden vier aufwändig gestaltete Kurzfilme über die Abenteuer von BUMMI und seinem Bärenfreund Maxl für das Kino. Ausgekoppelte Geschichten der Zeitschrift wurden als Bücher herausgegeben. Über viele Jahre gehörte BUMMI auch zum Figurenensemble von „Meister Nadelöhr“ im Fernsehen. Der Name verband sich mit der Welt der Vorschulkinder und stand häufig synonym dafür. BUMMI fungierte als Namenspate für Produkte, Kaufhäuser, Kindergärten und Kampagnen.

In ihrem Vortrag gehen Jeanette Toussaint und Ralf Forster der Entwicklung der Zeitschrift und ihrem multimedialen Konzept nach. Sie erzählen von den Highlights ihrer Forschungen und zeigen anhand von Illustrationen die künstlerische Vielfalt der Zeitung. Außerdem präsentieren sie den Katalog zur Ausstellung, die 2017 im Rochow-Museum Reckahn zu sehen war und der die Ergebnisse dieser ersten kulturwissenschaftlichen Untersuchung von BUMMI zusammenfasst. Begleitet wird der Abend von Filmen, in denen BUMMI und Maxl die Hauptrolle spielen.

Jeanette Toussaint arbeitet seit 2005 als freiberufliche Autorin und Ausstellungskuratorin in Potsdam. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück und im Projekt „NS-Raubgut“ der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Zu ihren Schwerpunkten gehören Frauen- und Diktaturgeschichte. Darüber hinaus widmet sie sich der lokalen Kinogeschichte. Im Februar 2018 kam ihr Buch „Kino in der Filmstadt Babelsberg. Hundert Jahre Thalia“ heraus.

Dr. Ralf Forster ist Filmtechnikhistoriker, Ausstellungskurator und stellvertretender Sammlungsleiter am Filmmuseum Potsdam. Von ihm erschienen Publikationen zur Film- und Technikgeschichte der NS-Zeit und der DDR. Außerdem verfügt er über eine umfangreiche Filmsammlung, die er in Programmkinos und Filmmuseen präsentiert. Derzeit habilitiert er zum Amateurfilm in der DDR. Das Buch dazu erscheint im Herbst 2018 bei „edition text + kritik“.

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Mittwoch, 6. Dezember 2017, 18.00 Uhr

(Wiederholungsveranstaltung)

BEOBACHTEN, VERFOLGEN, ZERSETZEN – Das Wirken der Stasi in Eisenhüttenstadt

Rüdiger Sielaff, Leiter der Außenstelle der BStU Frankfurt (Oder)

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Foto: Buchcover

Donnerstag, 23. November 2017, 18.00 Uhr


„Erich Honecker. Das Leben davor. 1912 - 1945“

Buchvorstellung mit dem Autor Prof. Dr. Martin Sabrow
(Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)

– Eintritt 4 EUR, bis 18 Jahren frei  –


Nichts verkörpert den SED-Staat so sehr wie das maskenhafte Gesicht Erich Honeckers und dessen kommunistische Musterbiographie, die ihm der Parteiapparat maßschneiderte. Martin Sabrow zeigt auf der Grundlage zahl­reicher unbekannter Quellen, welche überraschenden Brüche und Nebenwege das Leben des saarländischen Jungkommunisten prägten.

Erich Honecker (1912–1994) war von frühester Kindheit an fest im kommunistischen Milieu des Saarlands verwurzelt, und doch war er als Teenager auch offen für neue Orientierung. Er fuhr nach Pommern, um Bauer zu werden, kehrte für eine Dachdeckerlehre in die Heimat zurück, studierte an der Parteihochschule in Moskau und ging 1933 in den Widerstand.

1935 musste der Jungfunktionär untertauchen. - Was machte er monatelang in Paris? Wie kam es zu seinem konspirativen Einsatz in Berlin und wie zu seiner Verhaftung? Von Rätseln umrankt war bisher auch, wie es Honecker gelang, wenige Wochen vor Kriegsende zu fliehen und bald darauf unbehelligt ins Gefängnis zurückzukehren. Die bahnbrechende Jugendbiographie des Revolutionärs und Überlebenskünstlers endet im Mai 1945, als Honecker eher zufällig Zugang zu Ulbricht fand und der Kaderabteilung seinen kommunistischen Lebenslauf einreichte, über den fortan die Partei wachte.

Sabrow zeichnet diese frühen Lebensstationen Honeckers erstmals detailliert nach. Zugleich gelingt es ihm, bestimmende Züge seines Charakters und Muster seines politischen Handelns aus solchen biographischen Bezügen zu erklären. So blieben die Bindung an seine saarländische Heimat, aber auch die Erfahrung von Not und einer versagten Kindheit in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg für ihn prägend. Als junger Kommunist erlebte er die Härte und Gewaltsamkeit der politischen Auseinandersetzung in der Weimarer Republik und vor allem im Nationalsozialismus. Kraft bezog er aus der ihm und seinen politischen Gefährten eigenen Erlösungshoffnung samt dem daran geknüpften Willen zur radikalen und - wenn es sein musste - rücksichtslosen Umgestaltung der überkommenen Verhältnisse. Verhärtete Feindbilder und das Misstrauen gegenüber anderen Gruppen oder Generationen blieben kennzeichnend für Honecker und all jene, die sich nach 1945 an die Spitze der „sozialistischen Neuordnung“ setzten.

Das „Volk“ war für Honecker eine unzuverlässige Masse, die der ständigen Aufklärung und der richtigen Lenkung bedurfte, um nicht immer wieder in die Irre zu gehen. Doch hielt sich Honecker zeitlebens von ideologischen Streitfragen fern. Aus seiner Feder floss kein einziger wegweisender Beitrag zur Weiterentwicklung des marxistisch-leninistischen Theoriegebäudes, und sein Verständnis von Politik kannte keine visionären Zukunftsplanungen. Stattdessen setzte er, wie er es einst im kommunistischen Milieu an der Saar gelernt hatte, auf praktische Politik statt auf theoretische Debatten. Sein politischer Pragmatismus war frei von ideologischer Berührungsscheu. Mit dieser Herangehensweise empfahl er sich nach 1945 zum Aufbau der vorgeblich überparteiliche FDJ, und sie ebnete ihm 1970/71 schließlich den Weg an die Spitze der DDR. Im Kampf um den Selbsterhalt des in die Defensive geratenen Realsozialismus zögerte er nicht, auch unorthodoxe Bündnisse einzugehen.

Auf der Basis zahlreicher neu recherchierter biographischer Fakten versteht es Sabrow, Zusammenhänge zu knüpfen, die sich bislang nicht erschlossen haben. Daneben bietet das Werk manch überraschenden Ausblick, etwa auf Honeckers enges Verhältnis zu Herbert Wehner oder seine Beteiligung an einem Terroranschlag.

Martin Sabrow ist Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte der DDR vorgelegt.

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Foto: Christian Ditsch

Donnerstag, 19. Oktober 2017, 18.00 Uhr

 

Pegida, rechte Gewalt und Fremdenfeindlichkeit in Sachsen und Brandenburg

Vortrag und Buchvorstellung mit der Publizistin Heike Kleffner

– Eintritt frei  –

Seit der Wende kam es zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen Ausmaß an rechtsextremen und rassistischen Gewalttaten in Deutschland, bis hin zu pogromartigen Krawallen und Serienmorden. Es vollzogen sich mehrere Wellen rechtsextremer Radikalisierung, in den letzten Jahren verknüpft mit einem fremden- und europafeindlichen Populismus, der bis in die Mitte der Gesell­schaft hineinragt. Warum stand und steht Ostdeutschland im Zentrum dieser politischen und gesellschaftlichen Zuspitzung, und wie werden die erdrutsch­artigen Stimmengewinne der AFD in der Bundesagwahl die weitere Entwicklung beeinflussen?

Heike Kleffner wird in ihrem Vortrag diesen Fragen nachgehen und hierbei neben Brandenburg vor allem die Situation in Sachsen in den Blick nehmen. Das Bundesland bildete bereits ein Sammelbecken rechtsextremer Gruppierungen, als es 2014 als Ursprungsland der Pegida-Bewegung und als Hochburg des rechten Populismus auffällig wurde. In der Bundestagswahl erreichte die AFD dort ihre höchsten Stimmenanteile.

Heike Kleffner ist Mitherausgeberin des 2017 erschienenen Buches „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“ und wird zentrale Thesen aus dieser Veröffentlichung vorstellen. Namhafte Autoren aus Kultur, Wissenschaft und Politik haben zu dem Band beigetragen. In Reportagen, Features, analytischen Hintergrundtexten und persönlichen Kommentaren beleuchten sie die rassistischen Mobilisierungen, die Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Pegida-Bewegung und der AfD in Sachsen. Analysiert werden der „neue Rechtsterrorismus“ sowie die extrem rechten Parallelmilieus, aber auch die Aktionen der kreativen Zivilgesellschaft, die sich vielerorts für demokratische Werte einsetzt.

Heike Kleffner geht der Frage nach, ob die so genannten „sächsischen Verhältnisse“ ein auf den Freistaat Sachsen sowie auf andere Teile Ost­deutschlands begrenztes Phänomen bilden – und, wie immer wieder zu lesen, als eine Spätfolgen der „Wende“ verstanden werden können–, oder ob die im Osten spürbare Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte als Vorbote für zukünftige politische Veränderungen in ganz Deutschland zu interpretieren ist.

Heike Kleffner schreibt als Journalistin unter anderem für den „Tagesspiegel“ und „Die Zeit“. Seit den 1990er Jahren publiziert sie über neonazistische Gewalt und die Situation von gesellschaftlichen Minderheiten in Ost­deutschland. Sie arbeitete bis August 2017 als Fachreferentin für den NSU-Untersuchungs­ausschuss im Bundestag.

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Sonnabend, 23. September 2017, 19.00 Uhr

 

LYRIK - JAZZ - PROSA.

Ein musikalisch-literarischer Abend von und mit

Heide Bartholomäus (voice)

Silke Eberhard (sax)

Hannes Zerbe (p)

– Eintritt: 4 EUR | Besucher unter 18 Jahren frei  –

 

Im Rahmen der Sonderausstellung „Masse und Klasse. Gebrauchsgrafik in der DDR“ laden wir Sie herzlich ein zu einer Veranstaltung unter dem traditions­reichen Motto: LYRIK – JAZZ – PROSA. Hierzu wird exklusiv ein schon seit vielen Jahren verschlossener Ort zugänglich gemacht, das alte Krippengebäude Erich-Weinert-Allee 4, direkt neben dem Dokumentationszentrum. Mit seiner unverfälschten Patina bietet es einen besonderen Rahmen für diesen musikalisch-literarischen Abend.

Die Schauspielerin Heide Bartholomäus, die Saxofonistin Silke Eberhard und der Pianist Hannes Zerbe bringen moderne Jazzklänge in einen Dialog mit teils gesprochenen, teils gesungenen Texten. Die Idee zu dieser Kombination geht zurück auf die vom Verlag Volk & Welt 1963 begründete und in der DDR äußerst beliebte Veranstaltungsreihe „Jazz und Lyrik“, später „Lyrik, Jazz, Prosa“. Damals erreichten die Veranstaltungen und die gleich­namigen Schallplatten mit den Interpreten Manfred Krug, Eberhard Esche und Gerd E. Schäfer sowie den Jazzoptimisten Berlin Kultstatus.

Heide Bartholomäus arbeitete seit 1980 an verschiedenen Theatern im Fest­engagement oder als Gast, zuletzt war sie von 2011 bis zum Sommer 2017 Mitglied des Ensembles am Staatstheater Cottbus. Sie hat in 24 Jahren als Freiberuflerin auch viele Filme synchronisiert, arbeitete bei Rundfunk und Film, so auch derzeit wieder.

Silke Eberhard, Berliner Saxophonistin, Klarinettistin und Komponistin, ist seit 1995 mit vielen Projekten im Jazz, improvisierter Musik sowie interdisziplinären Projekten aktiv. Neben eigenen Ensembles wie dem Silke Eberhard Trio (mit Jan Roder und Kay Lübke) sowie Potsa Lotsa (plus), mit dem sie das Werk Eric Dolphys interpretiert, ist sie Mitglied zahlreicher, auch internationaler Formationen.

Hannes Zerbe, „Altmeister des gemäßigt freien Jazzpianos der DDR“, spielte in zahlreichen namhaften Formationen, darunter kleinere Gruppierungen wie FEZ und Osiris sowie größere Projekte wie die Hannes Zerbe Blechband (1979 - 1994). Seit 1994 arbeitet er mit dem Jazzorchester Prokopäz, seit 2011 außerdem mit dem Hannes Zerbe Jazz Orchester Berlin, wo er ebenfalls fast alle Titel selbst komponiert und arrangiert. Daneben tritt er in kleinen Besetzungen und als Solist auf. 

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Observationsfoto Eisenhüttenstadt (BStU)

Donnerstag, 21. September 2017, 18.00 Uhr

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 18.00 Uhr (Wiederholungsveranstaltung, ohne Bürgerberatung)

VORTRAG

BEOBACHTEN, VERFOLGEN, ZERSETZEN – Das Wirken der Stasi in Eisenhüttenstadt

Rüdiger Sielaff, Leiter der Außenstelle der BStU Frankfurt (Oder)

- Eintritt frei, Platzreservierung empfohlen -

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Vor dem Abendvortrag findet ab 14.00 Uhr eine BÜRGERBERATUNG des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur im Dokumentationszentrum statt. Der Vor-Ort-Service bietet Ihnen die Möglichkeit zur Antragstellung auf Einsicht in die Stasi-Unterlagen - Bitte bringen Sie hierfür ein gültiges Personaldokument mit! Musterakten und Informationsmaterial stehen für Sie bereit. Ein Mitarbeiter der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur berät Sie unter anderem zu Fragen der Rehabilitation.

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Der Vortrag von Rüdiger Sielaff basiert auf jahrelangen akribischen Aktenstudien sowie der Rekonstruktion von zerrissenem Material, das in Frankfurt (Oder)  in händischer Arbeit zusammengefügt wurde. Im Ergebnis ermöglichte dies umfangreiche Einblicke in das Wirken der Staatssicherheit im Stadt- und Kreisgebiet von Eisenhüttenstadt. Im Fokus des Vortrags steht das letzte Jahrzehnt der DDR mit den sich mehrenden Berichten über Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die Ausreisewelle  sowie Mangelversorgung und Misswirtschaft in den Betrieben.

Die Kreisdienststelle Eisenhüttenstadt des Ministeriums für Staatssicherheit in der Friedrich-Engels-Str. 1 beschäftigte laut Stellenplan des Jahres 1989 über sechzig hauptamtliche Mitarbeiter, darunter vier Offiziere im besonderen Einsatz und zwei hauptamtliche inoffizielle Mitarbeiter. Zu ihren Aufgaben gehörte die Außensicherung militärischer Objekte im Kreis, zum Beispiel der Truppenübungsplatz der Sowjetarmee in Dubrow bei Müllrose. Die „Absicherung“ des Eisenhüttenkombinats Ost bildete einen weiteren Arbeitsschwerpunkt, hinzu kamen zahlreiche weitere Betriebe wie die Yachtwerft Eisenhüttenstadt, die Großbäckerei Eisenhüttenstadt, das VEB Bezirksfleischkombinat, das BMK-Ost und außerhalb des Stadtgebiets unter anderem der Forstwirtschaftsbetrieb Müllrose und das Kraftwerk in Brieskow-Finken­heerd.

Anfang 1989 waren 469 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) aller Kategorien für die Kreisdienststelle registriert, darunter nahezu 100 Personen, die Inhaber konspirativer Wohnungen oder Objekte sind. Allein im Hotel „Lunik“ waren im Oktober 1983 vier IM tätig. Andere berichten aus dem Ge­sundheitswesen, der Friedensgemeinde, dem Volkspolizeikreisamt und nicht zuletzt der EOS „Clara Zetkin“. Dort sollten insbesondere alle zukünftigen Medizinstudenten „gründlich aufgeklärt“ werden, „mit dem Ziel, zu gewährleisten, daß sich keine politisch unzuverlässigen Personen … für ein Medizinstudium bewerben.“

Im Oktober 1988 „bearbeitete“ die MfS-Kreisdienststelle 116 „Übersiedlungsersuchen“  mit 267 Personen. Damit gehört die Kreisstadt zu den Schwerpunkten der Ausreisebewe­gung im Bezirk Frankfurt (Oder). 44 Personen sollten im ersten Halbjahr 1989 ausreisen dürfen. Weniger Glück hatten jene Menschen, die in den Vorgängen „Kontakt“ und „Profil“ bearbeitet wurden - sie werden verhaftet und verurteilt.

Voller Sorge analysierte die Stasi die Kommunalwahlen 1989. Die Zahl der Nicht­wähler stieg enorm. Immer mehr Bürger suchen die Wahlkabinen auf. In zwei Wahl­kreisen tauchen insgesamt 31 Stimmzettel auf, die „mit einzelnen Worten oder Sätzen versehen“ sind, so etwa „Glasnost“, „Gegen­stimme“, „Reisefreiheit“, „Abgelehnt“, „nicht einverstanden“, „Sorgt für bessere Verteilung der Lebensmittel“ oder „Mehr in die Geschäfte, dann nächstes Jahr meine Stimme“.

Auch die Städtepartnerschaft von Eisenhüttenstadt und Saarlouis rief die Stasi auf den Plan, die für eine lückenlose Überwachung der Reiseteilnehmer sorgte und alles tat, um private und persönliche Kontakte im Rahmen der Städtepartnerschaft zu erkennen und zu unterbinden. Bald wurde sie allerdings der Ausdehnung privater Kontakte nicht mehr Herr.

Zu den Überlieferungen des MfS aus dem Kreis Eisenhüttenstadt gehören auch zwei Säcke gefüllt mit Fotos und Negativen. Viele davon scheinen Aktivitäten des MfS im Rahmen der Arbeiterfestspiele 1988 zu be­legen. Bei einigen handelt es sich um vom „Westfernsehen“ abfotografierte Bilder – beispielsweise wenn darauf Personen identifiziert werden sollten.

Rüdiger Sielaff wurde 1958 in Stendal geboren. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch seiner Bruders erhielt die Mutter Berufsverbot. Rüdiger Sielaff selbst durfte in der DDR aus politischen Gründen nicht studieren und wurde Krankenpfleger. Nach dem Grundwehrdienst bei der NVA stellte er einen Ausreiseantrag aus der DDR, die ihn 1986 ausbürgerte. Er studierte in Duisburg und wurde Berufsschullehrer sowie Leiter an Schulen des Gesundheits- und Sozialwesens. Seit 2002 ist Rüdiger Sielaff Leiter der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR (BStU) in Frankfurt (Oder).

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Typofix-Bogen mit der Schrift Maxima Schriftentwurf: Gert Wunderlich Reproduktion: Lena Haubner

Donnerstag, 29. Juni 2017, 18.00 Uhr

VORTRAG

„Makrokosmos im Mikrokosmos – Schrift und Typografie in der DDR“

Lena Haubner (Grafikerin, Weimar)

- Eintritt frei -

Die neue Sonderausstellung „Masse und Klasse. Gebrauchsgrafik in der DDR“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR präsentiert Gestaltungen von Büchern, Zeitschriften und Schallplatten sowie von Produktverpackungen, Reklame­erzeugnissen und Plakaten – gebrauchsgrafische Arbeiten, die in ihrer massenhaften Verbreitung den visuellen Alltag der DDR prägten.

Der Vortrag der Grafikerin Lena Haubner richtet den Fokus auf ein zentrales Thema der Aus­stellung, auf die Typo­graphie als grund­legendem und zu­gleich ungemein vielfältigem Element von Alltags­­drucksachen. Von der Antiqua über die Grotesk bis hin zu Fraktur und Rotunda: Der Um­gang mit Schrift war in der DDR breit gefächert und abwechslungsreich. Schrift wurde geschrieben, gezeichnet, gemalt, ge­setzt – sowie geschnitten und geklebt.

Der Vortrag unternimmt einen visuellen Streifzug durch die Typografie­geschichte der DDR und stellt dabei so namhafte Gestalter wie Klaus Witt­kugel, Werner Klemke, Albert Kapr, Axel Bertram oder Sonja und Gert Wunderlich mit ihren Arbeiten und Arbeits­weisen vor.

Lena Haubner lebt und arbeitet als selbstständige Grafikdesignerin in Weimar. Sie studierte Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar und schloss ihr Studium mit einem Buchprojekt über Grafikdesign in der DDR ab. Sie ist Vorsitzende des Druckgrafischen Museums Pavillon-Presse in Weimar.

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Titelblatt (Avant-Verlag)

Dienstag, 13. Juni 2017, 10.00 bis 16.00 Uhr

Fächerverbindende Fortbildung für Geschichts- und Kunstlehrerinnen und -lehrer

„Madgermans“ – Vertragsarbeiter in der DDR

Referentin: Frau B. Weyhe, Hamburg
Veranstaltungsleiter: Herr A. Drieschner
Trägerschaft: „Plattform Kulturelle Bildung des Landes Brandenburg“

Die Künstlerin Birgit Weyhe veröffentlichte 2015 die preisgekrönte Graphic Novel „Madgermans“ zum Thema „Vertragsarbeiter in der DDR“.

Diese Graphic Novel ist der Ausgangspunkt für eine workshopgestützte, rahmenplanbegleitende Fortbildung für Kunst- und Geschichtslehrer der Sekundarstufen I und II.

Während die Kunstlehrer eher gewohnt sind, mit dem Medium der Bildgeschichte umzugehen, bietet dieses Genre für Geschichtslehrer als spezifische geschichtskulturelle Darstellung die Chance auf einen Zugriff auf historische Sachverhalte, der an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler orientiert ist. Darüber hinaus wird eine bislang im Geschichtsunterricht eher wenig beachtete Problematik thematisiert, die überdies 2018 Prüfungsschwerpunkt im Abitur ist.

In gemeinsamen Workshops werden die Geschichts- und Kunstlehrer entdecken, wie sie mit der methodischen Form und zeitgeschichtlich relevanten Thema nicht nur fächerverbindendend arbeiten, sondern auch den Unterricht in jedem Einzelfach bereichern können.

Der Ort der Fortbildung ist gleichzeitig Archiv und Anregung für die Auseinandersetzung mit dem Stoff.

Die Veranstaltung findet in der Trägerschaft der „Plattform Kulturelle Bildung des Landes Brandenburg“ statt.

Programm | Flyer

Der Unkostenbeitrag für die Fortbildung beträgt 2,00 €.

Kooperationspartner:
Plattform Kulturelle Bildung des Landes Brandenburg
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Schulamt Frankfurt (Oder)
Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe Eisenhüttenstadt
ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

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Beispielseite (Avant-Verlag)

Dienstag, 13. Juni 2017, 18.00 Uhr

VORTRAG mit Lichtbildern

MADGERMANES“– Ein Comic über mosambikanische Vertragsarbeiter in der DDR

Birgit Weyhe (Autorin und Zeichnerin, Hamburg)

- Vorverkauf: 3,- EUR / Abendkasse: 4,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei -

Von 1979 bis 1991 waren etwa 20.000 „Vertragsarbeiter“ aus Mosambik in der DDR beschäftigt. Ihr auf vier Jahre befristeter Aufenthalt sollte es ihnen ermöglichen, eine Ausbildung zu absolvieren und Berufserfahrung zu sammeln, damit sie nach ihrer Rückkehr zum Aufbau eines unabhängigen sozialistischen Mosambiks beitragen konnten.

Die Realität sah anders aus. Die „Madgermanes“, wie sie in Mosambik genannt werden - eine Wortschöpfung aus „Verrückte Deutsche“ und „Made in Germany“ - kehrten in ein vom Bürgerkrieg völlig zerstörtes Land zurück. Für ihre Berufsausbildung gab es keine Verwendung, und der von der Regierung treuhänderisch einbehaltene Lohn wurde nie ausgezahlt.

Birgit Weyhe rekonstruiert im Medium der Graphic Novel dieses wenig bekannte Kapitel deutsch-mosambikanischer Geschichte, indem sie die Betroffenen selbst zu Wort kommen lässt. Sie reiste nach Mosambik uns sprach mit den Zeitzeugen, sammelte dort Spuren und Dokumente ihrer Geschichte. Es entstand ein Comic, der in seiner Bild- und Erzählsprache die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet.

Am 13. und 14. Juni ist die Autorin auf Einladung der Plattform Kulturelle Bildung des Landes Brandenburg, der Gesamtschule 3 Eisenhüttenstadt und des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR zu Gast in Eisenhüttenstadt, um eine Veranstaltungsreihe für Lehrer, Schüler und die interessierte Öffentlichkeit durchzuführen.

Das Buch von Birgit Weyhe erhielt den Max & Moritz Preis 2016 für das beste deutschsprachige Comic sowie weitere Preise.

Birgit Weyhe wurde 1969 in München geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte Literatur und Geschichte in Konstanz und Hamburg sowie Illustration. Seit ihrem Diplom zu autobiographischem Erzählen im Comic arbeitet sie als Comic-Zeichnerin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und international veröffentlicht. Seit 2012 unterrichtet sie als Gastdozentin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

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Oldtimer-Treffen auf dem Platz vor dem Dokumentationszentrum (Foto: DOK)

Zum Internationalen Museumstag 2017

Das Dokumentationszentrum Alltagsgeschichte der DDR kooperierte im Rahmen des Museumstages 2017 mit vier weiteren Museumsstandorten in Eisenhüttenstadt und in Neuzelle. Insgesamt besuchten über 700 Kulturinteressierte die Veranstaltungen und Führungsangebote dieser Einrichtungen. Allein im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR fanden sich gut 230 Besucher ein.

Bei dem Oldtimer-Treffen auf dem Platz vor dem Ausstellungsgebäude waren rund drei Dutzend Oldtimer zu bewundern, neben Motorrädern und PKW auch ein Ikarus-Bus der IFA-Freunde Trebus e.V.

Das Dokumentationszentrum dankt allen Fahrzeugbesitzern für ihre Teilnahme und Unterstützung !

Das Angebot eines verbindenden Shuttle-Verkehrs zwischen den Museen in Eisenhüttenstadt und Neuzelle fand starken Zuspruch und soll im kommenden Jahr wiederholt und ausgebaut werden.

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Foto: DOK

Sonntag, 21. Mai 2017, 10 bis 17 Uhr

Wir laden Sie herzlich ein zum Veranstaltungsprogramm des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR am Internationalen Museumstag.

Unser Thema ist in diesem Jahr die Fahrzeugkultur der DDR.

Hierzu wird es ein DDR-Oldtimertreffen vor dem Dokumentationszentrum geben, zu dem wir unter anderem Fahrzeuge aus der umfassenden Sammlung der „IFA-Freunde“ (Trebus) sowie der Firma Dirk Schulz Autoverwertung (Eisenhüttenstadt) erwarten. Alle Besitzer von Autos oder Zweirädern sind herzlich eingeladen, ebenfalls ihren Oldtimer zu präsentieren! (Anmeldung erbeten).

Im Gebäude des Dokumentationszentrums wird eine Auswahl von historischen Werbefilmen zu Fahrzeugen der DDR gezeigt, kuratiert von der Filmhistorikerin und Fotografin Christine Kisorsy (Berlin).

Das Buchhaus Jachning (Eisenhüttenstadt) wird einen Büchertisch mit Literatur zu Fahrzeugen der DDR betreuen.

Eintritt frei auch zu unserer Dauerausstellung „Alltag: DDR“ 

Gemeinsam mit dem Städtischen Museum Eisenhüttenstadt, dem Kloster Neuzelle, dem Bauernmuseum und dem Strohhaus Neuzelle werden wir erstmals einen Pendelverkehr zwischen diesen Häusern anbieten. Zwischen 12.00 und 15.00 Uhr wird stündlich ein Bus-Shuttle am Dokumentationszentrum starten, das diese Museen verbindet (unverbindlicher Fahrplan anbei).

Wir freuen uns auf Ihren Besuch !

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Studierende am Nachlass von Tamara Bunke, HTW Berlin

Donnerstag, 4. Mai 2017, 18.00 Uhr

VORTRAG mit Lichtbildern

Tamara Bunke - Revolutionärin zwischen Mythos und Wirklichkeit

Prof. Dr. Oliver Rump (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin)

- Eintritt: 5 EUR, Vorverkauf 4 EUR -

In der DDR trugen über zweihundert Schulen, Kindergärten und andere Organisationen den Namen Tamara Bunke, Bücher und Zeitschriftenartikel berichteten von ihrem Leben. Die deutsch-argentinisch-kubanische „Tania la Guerillera“ an der Seite von Ernesto „Che“ Guevaras war eine nicht unumstrittene Ikone der von der SED propagierten „Solidaritätsbewegung“. Aus dem kollektiven Gedächtnis des vereinten Deutschlands ist sie aber auch heute nicht verschwunden.

1937 geboren verbrachte Tamara Bunke ihre Kindheit in Buenos Aires in Argentinien. Ihre Eltern befanden sich dort im Exil nach ihrer Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung. 1952 übersiedelte die Familie in die DDR. In der Erweiterten Oberschule „Clara Zetkin“ in Stalinstadt (heute Eisenhüttenstadt) absolvierte Tamara Bunke 1956 das Abitur. 1958 begann sie ein Studium an der Humboldt Universität in Berlin, bevor sie 1961 die DDR in Richtung Kuba verließ, um sich den Befreiungsbewegungen in Kuba und Bolivien anzuschließen. Auf Kuba erlangte sie als "Tania la Guerillera" eine bis heute anhaltende Popularität.

Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um ihre Person, vor allem um ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod am 31. August 1967 in einem Feuergefecht im bolivianischen Dschungel. Seit 2013 widmete sich ein Projekt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin den verschiedenen Interpretationen ihres Lebens und Fakten ihrer Biographie. Prof. Dr. Oliver Rump untersuchte mit Studierenden des Studiengangs Museumskunde den Nachlass Tamara Bunkes, der von ihrer Mutter Nadja aufbewahrt wurde und über die Arbeitsgruppe Cuba Sí bei der Partei DIE LINKE an die HTW Berlin gelangte. 750 Mappen und Kartons mit Briefen, Notizbüchern, Schulheften und Objekten wie einer Uniform wurden inhaltliche erschlossen und dokumentiert. Heute wird das Material im Gedenk- und Museumskomplex „Ernesto Che Guevara“ Santa Clara/ Kuba aufbewahrt, wo sich auch die sterblichen Überreste von Tamara Bunke befinden.

Aus dem Studienprojekt in Berlin erwuchsen zwei Wanderausstellungen in deutscher und in spanischer Sprache, die bereits an verschiedenen Orten im In- und Ausland gezeigt wurden. Oliver Rump stellt in seinem Vortrag das Vorhaben zur Erforschung und Sicherung des Nachlasses Tamara Bunkes vor, berichtet über neue Erkenntnisse und seine Erfahrungen aus seinen Reisen und Kontakten nach Kuba.

Prof. Dr. Oliver Rump ist Professor für Museumskunde und Museumsmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Er studierte Volkskunde und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Geographie an der Universität Hamburg. Bis 2008 war er Direktor am Museum für Kommunikation in Hamburg.

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Donnerstag, 20. April 2017, 18.00 Uhr

Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)

Das Menschenbild in der Kunst der DDR bis 1960

Lichtbildvortrag von Herbert Schirmer sowie Vorstellung des Ausstellungskatalogs durch Jorg Sperling

Eintritt frei

Das Kunstarchiv Beeskow vereint seit 1994 Kunstwerke aus dem Besitz von Parteien, staatlichen Einrichtungen und Massenorganisationen der DDR, darunter Auftragswerke des FDGB, des Magistrats von Berlin, des Kulturfonds der DDR, sowie der SED, der FDJ und der DSF. Aus dem Bestand von über 16.000 Objekten wurden für die Ausstellung „Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)“ siebzig Werke ausgewählt, die den Wandel der Auftragsbehandlung verdeutlichen. Herbert Schirmer, der Kurator der im Dokumentations­zentrum gezeigten Schau  – deren Laufzeit bis zum 7. Mai 2017 verlängert ist – wird in seinem Vortrag über die von der sowjetischen Administration geprägte kulturpolitische Ausgangssituation nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone sprechen und anhand von ausgewählten Künstlerbiografien die ersten zehn Jahren ab Gründung der DDR 1949 in den Blick nehmen. Die Politik der SED, die bis weit in die 1960er Jahre in der bildenden Kunst vor allem ein Instrument der weltanschaulichen Erziehung sah, wollte mit Unterstützung der Künstler die Herausbildung sozialistischer Gesellschaftsverhältnisse befördern. Jene Jahre waren grundlegend für die wechselvolle und widersprüchliche Geschichte der Kunst in der DDR bis 1990. Der durch Lichtbilder illustrierte Vortrag verdeutlicht den unterschiedlichen Umgang der Künstler mit staatlicher Bevormundung und Einflussnahme.

Der Katalog zur Ausstellung „Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)“ wird in Kürze zum Preis von 19 EUR im Museumsshop erhältlich sein: mit ca. 220 farbigen Abbildungen, Texten von Susanne Altmann, Ulrike Kremeier, Barbara Martin, Carmen Schliebe, Herbert Schirmer, Jörg Sperling, Armin Hauer.

Der anlässlich des dreiteiligen Ausstellungsprojekts vorgelegte Katalog gibt erstmals einen gemeinsamen tiefen Einblick in die Kunstsammlungen der beiden Kunstmuseen in Cottbus und Frankfurt (Oder) und offenbart Bedingungen ihres Entstehens wie ihre Sammlungs­tätigkeit vom Beginn bis heute. Daneben werden die Geschichte des Kunstarchivs Beeskow und Beispiele aus dem Bestand dieser Einrichtung vorgestellt.

HERBERT SCHIRMER ist Kurator des in Eisenhüttenstadt zu sehenden Teils der Ausstellung „Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)“, die gemeinsam vom Kunstmuseum Dieselkraft­werk Cottbus, dem Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) sowie dem Kunstarchiv Beeskow ausgerichtet wird.

JÖRG SPERLING ist Kustos Bildende Kunst am dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus.

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Samstag, 25. März 2017, 15.00 Uhr

Kunst.Klang

Kunstwerke der Sonderausstellung „Schlaglichter“im Dialog mit zeitgenössischer Musik

Konstanze Schröder (Violine), Betina Müller (Viola) und Nikola Götzinger (Violoncello) spielen Kompositionen von Hanns Eisler, Udo Zimmermann u.a.

Im Anschluss: Führung durch die Ausstellung mit Kurator Herbert Schirmer

Eintritt 4,- EUR

Anlässlich der dreiteiligen Ausstellung „Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)“ entstand die Idee für eine musikalisch-museale Veranstaltungsreihe an den jeweiligen Ausstellungs­orten Cottbus, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder). Unter dem Titel KUNST.KLANG erklingt am 25. März 2017 im Dokumentationszentrum zeitgenössische Kammermusik. Die drei Musikerinnen sind langjährige Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters Cottbus.

Programm:

Hanns Eisler (1898 - 1962)

Präludium und Fuge über B-A-C-H für Streichtrio; 1934

Udo Zimmermann (*1943)

Improvisation und Tanz; aus: movimenti caratteristici per violoncello solo; 1965 

Reiner Bredemeyer (1929 - 1995)

Vier Stücke für Streichtrio; 1971

Jan Cyž (*1955)

Andante und Quasi cadenza; aus: VOILÀ VIOLA pour viola sola; 1992

Ludwig Walter (1928 - 2014)

„high ehereal“; aus: Vier kurze Stücke für Streichtrio; 1993

Bernd Weinreich (*1948)

Die Grasmücke. Konzertantes Solo für Violine; 2009

Harald Lorscheider (1939 - 2005)

Sechs Miniaturen für Streichtrio; 1987

 

Nach dem musikalischen Teil führt der Kurator Herbert Schirmer zu ausgewählten Kunst­werken der Ausstellung.

Die Veranstaltungsreihe wird freundlich unterstützt von der Sparkasse Oder-Spree.

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Foto: Buchcover Ch. Links Verlag

Donnerstag, 2. März 2017, 18.00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch

„Frauen in der DDR“

Dr. Anna Kaminsky

Ort: Gesamtschule 3, Maxim-Gorki-Str. 15, 15890 Eisenhüttenstadt

Die moderne Frau in der DDR sollte nicht nur voll berufstätig sein, sie sollte sich auch ständig weiterbilden und in gesellschaftlichen Organisationen aktiv sein, sie sollte den Haushalt meistern und ihren Kindern eine gute Mutter sein.

In ihrem neuen Buch „Frauen in der DDR“ zeigt Anna Kaminsky, wie die Frauen mit dieser Vielzahl von Ansprüchen und Erwartungen umgingen. Sie betrachtet den Alltag, die Wünsche und Sehnsüchte von Frauen sowie die Reaktionen von Männern auf das geänderte Frauenbild. Der hohe Grad von berufstätigen Frauen und Müttern, der mit über neunzig Prozent im letzten Jahrzehnt der DDR zu den höchsten weltweit gehörte, wurde als Zeichen für die gelungene Gleichberechtigung genommen.

Auch heute bewegt sich die öffentliche Debatte in Sachen Gleichberechtigung um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Feminismus und Emanzipation oder in neuerer Zeit um die Sinnhaftigkeit von Quoten, die dazu beitragen sollen, Frauen verstärkt in Führungspositionen zu bringen. Die hinter all diesen Debatten und Modellen stehende Frage lautet: Welche Bedingungen braucht es, damit die verschiedenen Geschlechter gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen können?

Dr. Anna Kaminsky ist Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie studierte an der Sektion Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft der Karl-Marx-Universität in Leipzig. 1992 Promotion, 1993 bis 1998 Mitarbeit u.a. am Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung, an der Universität Münster, der Gedenkstätte Sachsenhausen und am Deutschen Historischen Museum, seit 2001 Geschäftsführerin Stiftung Aufarbeitung.

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Film: Privatbesitz

Mittwoch, 15. Februar 2017, 18.00 Uhr

VORTRAG mit Beispielen aus privaten Schmalfilmen

Acht Millimeter Alltag: Die Praxis des Familienfilms in der DDR

Sebastian Thalheim

Ihre Bilder sind kleiner als Fingernägel. Sie sind verwackelt und unscharf. Doch für einen Kulturhistoriker sind es kostbare Schätze.

8 mm- und Super 8-Filme aus der DDR zeigen den Wochenendausflug in den Schreber­garten, die Jugendweihe, die Ungarnreise, die Maidemonstration, Westwaren und den Mauerfall. Mit der AK8, Admira oder Quarz wurde gefilmt, was den Menschen in der DDR wichtig war. Damit sind die „Schnürsenkel“-Filme wertvolle Quellen über das Leben im Sozialismus, denn sie entstanden, anders als der vom Kulturbund geförderte Amateurfilm, außerhalb staatlich organisierter Freizeitgestaltung.

Doch lässt sich die Schmalfilmkultur der DDR nicht als Nischenpraxis erklären. Für die Fotokinoindustrie waren die Apparaturen und Filme wichtige Konsum- und Exportartikel. Die Werbeanzeigen und -filme bedienten sich transnationaler Bilder von Kernfamilie mit Kindern. Der Fotokinoverlag bot in zahlreichen Publikationen Sinn- und Gestaltungs­angebote und in den 1970er und frühen 1980er Jahren widmete sich sogar ein Amateur­film­festival dieser Thematik: Das Oberhofer Freizeit Filmfestival. Und schließlich dienten die Filme als Kommunikationsmedium innerhalb der Familie, als auch außerhalb bei ge­selligen Abenden mit Kollegen und Nachbarn oder einem Besuch der Westverwandt­schaft.

In seinem Vortrag beschreibt Sebastian Thalheim die Praxis des Familienfilmens in der DDR, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit erforscht. Dabei stellt er Ausschnitte aus privaten Familienfilmen, Ratgebern, Eingaben an staatliche Institutionen, Werbeanzeigen, Werbefilme und auch Interviews von ehemaligen Filmern vor.

Im Anschluss an den Vortrag wird den Besuchern die Möglichkeit gegeben, Ausschnitte aus eigenen Schmalfilmen zu präsentieren und zu diskutieren. Bitte melden Sie sich dafür an.

Sebastian Thalheim M.A. hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Seminars für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Münster und gibt Kurse zu Historischen Methoden und zum ethnografischen Filmemachen. Seit 2014 arbeitet er an seiner Dissertation „Familienfilm in der DDR. Schmalfilmkultur zwischen staatssozialistischem Ideal und Alltagsbildern“.

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Foto: DOKfilm Fernsehproduktion GmbH

Dienstag, 8. November 2016, 18.00 Uhr

Gespräch und Lesung

Manfred Stolpe „Von Pommern nach Potsdam“

Manfred Stolpe stellt im Gespräch mit dem Verleger André Förster sein neues Buch vor: „Von Pommern nach Potsdam. Ein Leben im Gespräch.“/vbb verlag für berlin-brandenburg.

Ort: Evangelisches Gemeindezentrum, Robert-Koch-Strasse 37

Eintritt: 3 EUR, Schüler und Studierende frei

Manfred Stolpe wurde im vergangenen Mai 80 Jahre alt – eine gute Gelegenheit, zurückzublicken und ihn aus seinem Leben berichten zu lassen. In großer Offenheit erzählt Stolpe von seiner Kindheit in Pommern und seiner Arbeit als Jurist in der evangelischen Kirche der DDR. Er spricht über sein besonderes Verhältnis zu Regine Hildebrandt, schildert, wie er den politischen Umbruch 1989 erlebt hat, und beschreibt, wie er als Ministerpräsident das neugegründete Land Brandenburg mehr als ein Jahrzehnt lang führte, bis er im Jahre 2002 Bundesverkehrsminister wurde.

Im zweiten Teil des Abends berichtet Manfred Stolpe über seine beruflichen und persönlichen Verbindungen zur Stadt Eisenhüttenstadt und zur Evangelischen Friedenskirchengemeinde. Als Träger wichtiger Ämter im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR sowie als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg begleitete und unterstützte er auch über lange Jahre hinweg die Arbeit der Friedenskirchengemeinde in Eisenhüttenstadt und ebnete ihr den Weg zum 1978 begonnenen Bau des Gemeindezentrums in der Robert-Koch-Straße. Ab 1990 setzte sich Stolpe als Ministerpräsident intensiv für den Erhalt des Stahlstandortes Eisenhüttenstadts ein.

Die Veranstaltung ist Bestandteil der Vortragsreihe des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR und wird gemeinschaftlich durchgeführt mit der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Eisenhüttenstadt.

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Filmstill: 1000KM-04©DEFA-Stiftung

Mittwoch, 28. September 2016, 18.00 Uhr

Mittwoch, 23. November 2016, 18.00 Uhr (Wiederholungsveranstaltung)

VORTRAG mit Filmbeispielen

Eisenhüttenstadt in den Filmen der DEFA

Christine Kisorsy, Fotografin und Kuratorin (Berlin)

- Eintritt frei -

Auf die Planstadt Eisenhüttenstadt und das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) richten Historiker und Kulturwissenschaftler nicht erst seit 1989 immer wieder ihren Blick. Doch das Bild von Stadt und Werk im Film ist bisher weitgehend unbeachtet geblieben. Dies überrascht, denn diesem Medium wurde in der DDR aufgrund seiner Popularität hohe Bedeutung für die Darstellung der mit Stadt und Werk verbundenen Aufbauerfolge beigemessen. So bannten die Kameramänner der DDR-Wochenschau „Der Augenzeuge“ebenso wie renommierte DEFA-Dokumentaristen und Amateure die Stadt wiederholt auf
Celluloid.

Christine Kisorsy zeigt in ihrem Vortrag nun das filmisch vermittelte Bild der Arbeiterstadt und des EKO. Sie stellt dazu zahlreiche Auszüge aus Wochenschauen, Dokumentar- und Spielfilmen der Jahre 1953 bis 1987 vor, die sie nach umfangreichen Recherchen aus den Archiven der DEFA zusammenstellen konnte.

Die Planstadt und das Eisenhüttenkombinat waren seit ihrer Gründung 1950/51 bis zum Ende der DDR immer wieder im Fokus medialer Darstellungen. Vor allem in der Zeit des „Aufbaus“ galt ihr Beispiel als symbolhaft für die gesamte DDR. Die Brüche und Veränderungen, welche die Geschichte der DDR kennzeichnen, ließen aber auch das „Image“ von Eisenhüttenstadt nicht unberührt. Vielmehr vollzog sich über die Jahrzehnte hinweg ein deutlicher Wandel in der Rolle, die dieser Stadt zugeschrieben wurde, und auch das Leben ihrer Bewohner änderte sich. Dies macht das Filmschaffen der DEFA, besonders bei Gegenüberstellung von Filmen unterschiedlicher Entstehungsphasen und ihrer jeweiligen Symbolbilder, unmittelbar nachvollziehbar.

Von Christine Kisorsy vorgestellt und kommentiert werden vor allem Dokumentarfilme, aber auch die wenigen fiktionalen Filme, die sich Eisenhüttenstadt zuwandten. Sie zeigt unter anderem Auszüge aus NACH 900 TAGEN (1953, Karl Gass), DAMALS UND HEUTE (1955, Walter Marten), MÄRKISCHE NOVELLE (1957, Max Jaap), OFENBAUER (1962, Jürgen Böttcher), DIE SUCHE NACH DEM WUNDERBUNTEN VÖGELCHEN (1964, Rolf Losansky), WEGGEFÄHRTEN (1974, Rolf Schnabel u.a.), DAMIT DER STAHL DEM FRIEDEN DIENT (1987, Filmstudio der NVA) sowie verschiedene Beiträge der DDR-Wochenschau DER AUGENZEUGE und des DDR-MAGAZINS.

Christine Kisorsy ist mit der Geschichte Eisenhüttenstadts eng vertraut: 2015, zum 65. Stadtgeburtstag, zeigte sie ihre Fotoausstellung zum „Hotel LUNIK“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

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Foto: Thomas Kemnitz / VIMUDEAP.info

Sonntag, 28. August 2016, 11.00 bis 13.00 Uhr

FINISSAGE - JUNGE KUNST IM AUFTRAG
FDJ-Jugendhochschule Bogensee 1983-86 

Rundgang mit dem Kurator Herbert Schirmer und Zeitzeugengespräch mit Bernd Ludewig (ehem. Projektkoordinator des FDJ-Zentralrats)

Eine Veranstaltung des Kunstarchivs Beeskow in der Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.             

Das Kunstarchiv Beeskow lädt Sie herzlich ein zur Finissage der Sonderausstellung „Junge Kunst im Auftrag“ im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR.

Die nunmehr ausklingende Schau zeigt erstmals eine größere Auswahl dessen, was der FDJ-Zentralrat einst bei den Kunsthochschulen der DDR in Auftrag gab, um die „Kaderschmiede“ zur Ausbildung von Funktionären der sozialistischen Jugendbewegung bildkünstlerisch auszugestalten.

Der Kurator der Sonderausstellung, Herbert Schirmer, sowie der ehemalige Koordinator des FDJ-Zentralrats für das Bogensee-Projekt, Bernd Ludewig, sprechen über die Werke und ihren Entstehungshintergrund. Hierbei wird es auch um die Frage gehen, wie junge Künstler das letzte Jahrzehnt der DDR erlebten und ob sie über ihre Zeit hinaus Zeichen zu setzen vermochten.

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Foto: Klein, 14.8.1952 (Bundesarchiv, Bild 183-15848-0001/CC-BY-SA 3.0)

Vortrag, Mittwoch, 22. Juni 2016, 18.00 Uhr

Zum 75. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941

Gedenken unter dem Stern ?  Geschichte und Zukunft des „Platzes des Gedenkens“ in Eisenhüttenstadt

Referent:
Axel Drieschner
, Kurator Dokumentationszentrum

Begrüßung:
Hartmut Preuß, Städtisches Museum Eisenhüttenstadt

Vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Deutschland die Sowjet­union. Es führte den Krieg als weltanschaulichen und rassenideolo­gischen Vernichtungskampf. Dies zeigt sich exemplarisch am Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen. Binnen Monaten ließ die Wehr­macht sie systematisch verelenden und Hundert­­tausende verhun­gern. Von den 5,7 Millionen Rotarmisten in deutschem Gewahrsam kamen bis 1945 über drei Millionen ums Leben.

Zu den Orten dieses Massensterbens zählte das Kriegs­gefangenenlager STALAG III B in Fürstenberg (Oder), heute Eisenhüttenstadt. Mehr als 4.000 sowjetische Soldaten kamen hier zu Tode. Hauptursache war der Entzug von Nahrung und medizinischer Versorgung, daneben die auszehrende Zwangsarbeit an Orten wie der Baustelle des „Kraftwerks Vogelsang“ am Rande der Stadt.

Die sowjetischen Opfer wurden in Massengräbern begraben und beim Bau des Eisen­hüttenkombinats in die neu gegründete Wohnstadt überführt, an eine Stelle, die in ersten Überlegungen als Zentraler Platz konzipiert war. Es entstand der damals größte sowjetische Ehren­friedhof im Land Brandenburg.

Über den Grab­kammern wurde 1951 ein monumentaler Obelisk errichtet und in seinem Vorfeld ein weiträumiger Kundgebungsplatz geschaffen. Bis 1992 wurde er „Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ genannt, seitdem heißt er „Platz des Gedenkens“. 1953 vollzog Walter Ulbricht hier die Namensgebung von Stalinstadt.

Bis 1989 blieb dies ein Ort politischer Manifestationen, vor allem des Bündnis­bekenntnisses zur Sowjetunion und des rituellen Anti­faschis­mus, aber zugleich auch ein Ort des alltäglichen Lebens. Nur eines durfte er nicht sein: eine Stätte realer Erinnerung an die im STALAG III B umgekommenen sowjetischen Gefangenen, denn diese Opfergruppe passte nicht zu dem von der UdSSR und der DDR propagandistisch erwünschten Bild des heroischen und siegreichen Rotarmisten.

Mit dem Ende der DDR büßte der Platz seine überkommenen Funktionen ein, ohne dass sich neue Ansprüche auf ihn richteten. Als vergessener Stadtraum bildet er seitdem ein Symbol unbewältigter historischer und politischer Verwerfungen. Bis heute erinnert (beinahe) nichts an das konkrete Schicksal der hier ruhenden Toten, statt dessen dominiert ungebrochen der inhaltliche und gestalterische Zugriff aus der Endphase des Stalinismus.

Welchen Stellenwert wird der Platz künftig als Gedenkort und als öffentlicher Raum besitzen? Wie lässt sich leben mit seiner zwar denkmalgeschützten, uns aber fremd gewordenen steinernen Monumentalität? Wie gelangt man hier von einem anonymen, formelhaften „Gedenken“ zu historisch konkreter Erinnerung und Information, die Orientierungshilfe für die Zukunft bieten kann? Neue Ansatzpunkte eröffnen sich dank der Initiative russischer Nachkommen von Opfern. Sie haben die Namen eines Großteils der Verstorbenen zusammengetragen und sie vor einigen Jahren der Stadt Eisenhüttenstadt übergeben, damit sie über den Gräbern angebracht werden.

Der Vortrag beleuchtet die politischen und architektonischen Entstehungshintergründe des Denkmalsplatzes anhand aktueller Forschungsergebnisse und formuliert Diskussions­anstöße für den künftigen Umgang mit diesem Erbe zur Diskussion. Zugleich würdigt er das Schicksal der nach dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion vor 75 Jahren im STALAG III B umgekommenen sowjetischen Soldaten.

Eintritt:

Vorverkauf: 3,- EUR / Abendkasse: 4,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei

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Berlin, Rundfunkhaus in der Nalepastraße, Großer Sendesaal 1 (Foto: G. Wehowsky, 2008)

Vortrag, Donnerstag, 2. Juni 2016, 18.00 Uhr

Franz Ehrlich. Architekt zwischen Bauhaus, Buchenwald und DDR-Kulturdoktrin

Tanja Scheffler, Architekturhistorikerin (Dresden)

Die Bauhistorikerin und Architektur­journalistin Tanja Scheffler beleuchtet in ihrem Vortrag die vielschichtige Biographie und das facettenreiche architek­tonische und künstlerische Schaffen Franz Ehrlichs (1907–1984). Sie forscht seit langem zur Planungs- und Baugeschichte der DDR und befasste sich in den letzten Jahren auch intensiv mit dem Wirken Ehrlichs.

Gestützt auf seine Biographie als Kommunist, Buchenwald-Häftling und Mitglied des „antifaschistischen Widerstandes“ ging Ehrlich in der DDR seinen ganz eigenen Weg. Die öffentliche Anerkennung blieb ihm dadurch freilich lange Zeit verwehrt.

Der am Bauhaus Dessau ausgebildete Ehrlich war Designer, Graphiker, Künstler und einer der vielseitigsten Architekten der DDR. Für die Deutschen Werkstätten Hellerau entwickelte er neben prestigeträchtigen Innenraumausstattungen zahlreiche Einzel- und Typenmöbel. Seine vielfältig kombinierbare, in großen Stückzahlen hergestellte „Serie 602“ gehörte zu den beliebtesten Möbel-Serien der DDR. Seit der Wende werden diese Regale, Kommoden und Tische als international gefragte Design-Klassiker gehandelt.

In den 1950er Jahren realisierte Ehrlich in Ost-Berlin mit dem als Drehort zahl-  reicher Kino- und Fernsehfilme international bekannt gewordenen Rundfunkhaus in der Nalepastraße und einem Klinik-Neubau in Buch dezidiert moderne Bauten, gestalterisch „auf Augenhöhe“ mit dem Westen.

Kaum bekannt ist jedoch, dass Franz Ehrlich mit seinen (später von Kurt W. Leucht überarbeiteten) Wettbewerbsentwürfen 1950 die städtebauliche Konzeption des heutigen Eisenhüttenstadt wesentlich mitbestimmte. Sowohl die axiale Ausrichtung der Stadt auf das Werk, ihre fächerförmige Figur, die Gliederung in verschiedene Wohnkomplexe sowie die Anordnung vieler öffentlicher Bauten und Plätze gehen im Kern auf ihn zurück.

Franz Ehrlich war ein enorm produktiver Entwerfer. Er war zeitweise Wiederaufbau­referent in Dresden, Chef-Architekt der Leipziger Messe und entwarf - nachdem sich seine Möbel zu Exportschlagern entwickelten - die Interieurs für zahlreiche DDR-Handelsvertretungen und Botschaften im (oft westlichen) Ausland. Dabei agierte er selten systemkonform. Als „Bauhäusler“ in der stalinistischen Ära und später als vehementer Kritiker des immer rigider werdenden industriellen Wohnungsbaus stellte er sich gegen die architekturpolitischen Vorgaben der SED.

Selbst während seiner Zeit als KZ-Häftling im Baubüro der SS bewahrte sich Ehrlich Momente des Eigensinns. Beauftragt mit dem Entwurf der alsbald berüchtigten Torinschrift von Buchenwald („Jedem das Seine“), benutzte er die von den Nazis verfemte Bauhaus-Typographie.

Eintritt:

Vorverkauf: 4,- EUR / Abendkasse: 5,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei

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Blick vom Hochhaus in der Lindenstraße zum Zentralen Platz (Foto: DOK)

Zum Internationalen Museumstag

Am Sonntag, den 22. Mai 2016, nahmen zahlreiche Besucher das Angebot des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR anlässlich des 39. Internationalen Museumstags wahr. Mehr als achtzig Personen besuchten bei freiem Eintritt das Haus.

Neben den Ausstellungen fanden die Vorträge der Bereichsleiterin Stadtentwicklung der Stadt Eisenhüttenstadt, Christiane Nowak, sowie der Landschaftsarchitekten Dr. Peter Fibich und Hagen Engelmann, die unter dem Motto Eisenhüttenstadt. Stadt mit Freiraum standen, sehr guten Anklang. Mit gut vierzig Besuchern war das zum Vortragssaal umgestaltete Foyer restlos besetzt.

Die anschließende Führung durch den Stadtraum, die erst nach 18 Uhr auf der Dachterrasse eines der Hochhäuser an der Lindenallee ausklang, gab Gelegenheit zu vielen Gesprächen zwischen Einwohnern, Experten und Garteninteressierten.

Das Dokumentationszentrum bedankt sich bei den Besuchern für ihr Interesse, bei den Referenten für die Mitgestaltung des Tages und bei der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH für die freundliche Unterstützung.

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Foto: Bernd Geller

Internationaler Museumstag

Sonntag, 22. Mai 2016, 11 bis 17 Uhr

Freier Eintritt zu unseren Ausstellungen

Alltag: DDR (Dauerausstellung)

Junge Kunst im Auftrag. FDJ-Jugendhochschule Bogensee 1983-86

 

STADT MIT FREIRAUM
Gartenkunst in Eisenhüttenstadt einst und jetzt
- Expertenvorträge und Rundgang -

 Programmablauf

14.00 Uhr    Begrüßung
Axel Drieschner, Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

14.10 Uhr   Grußwort
Christiane Nowak, Bereichsleiterin Stadtentwicklung/Stadtumbau

14.30 Uhr   Vortrag
Landschaftsarchitektur in neuen Städten der DDR - ein Überblick
Dr. Peter Fibich, Freiraumkonzepte GbR Landschaftsarchitekten (Bad Lausick/Glasten)

Diskussion / Pause

15.30 Uhr   Führung
zu ausgewählten Grünflächen der Stadt und Blick von einem Hochhaus in der Lindenallee
Hagen Engelmann, Landschaftsarchitekturbüro Engelmann (Cottbus)

17.00 Uhr   Schluss

Zum Thema

Als Planstadt aus der Aufbauzeit der DDR bild Eisenhüttenstadt ein einzigartiges Zeugnis europäischer Stadtbaukunst. Es ist Ziel von Architektur- und Geschichts­interessierten aus aller Welt. Meist steht dabei das bauliche Erbe im Mittelpunkt. Hohen Anteil an der Schaffung einer lebenswerten Umwelt besitzen aber auch die gärtnerisch gestalteten Grünflächen. Sie haben eine schmückende Funktion, dienen der Erholung und sind von Bedeutung für die Durchlüftung des Stadtgebiets und die Regulierung des Mikroklimas.

Kennzeichnend für das Kerngebiet der Stadt mit den Wohnkomplexen I bis IV sind die großen Grünachsen und halböffentlichen Wohnhöfe. Sorgfältig ausgewählte Gehölze unterschiedlicher Wuchsformen, Blütezeiten und Blattfärbungen setzen hier räumliche Akzente, haben eine Orientierungsfunktion und beleben über das Jahr hinweg das Stadtbild. Rund einhundert Baumarten sind hier vertreten, vom Kugelahorn, über die japanische Zierkirsche bis hin zum Honigbaum. Hinzu kommen aufwendig bepflanzte Blumenrabatten, wie an der Lindenallee und am Gartenfließ.

Das Motto des 39. Internationalen Museumstages „Museen in der Kulturlandschaft“ nehmen wir zum Anlass, Ideal und Wirklichkeit der Freiraumplanung und Garten­architektur in Eisenhüttenstadt näher zu beleuchten. Ausgewiesene Experten der Landschaftsarchitektur und Gartenbaugeschichte führen durch das Programm, zu  dem wir Sie herzlich einladen.

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Geheimobjekt „Falke“, Stasi-Schulungszentrum bei Briesen (Mark), BStU

Vortrag / Buchvorstellung

Donnerstag, 12. Mai 2016, 18.00 Uhr

„RAF im Osten – Terroristen unter dem Schutz der Stasi“ 

Dr. Frank Wilhelm, Journalist beim Nordkurier (Neubrandenburg)

Die linksextremistische Rote Armee Fraktion (RAF) hatte in der Bundes­republik zwischen den 70er und 90er Jahren etliche Sprengstoff­attentate, grausame Entführungen bis hin zu Morden zu verantworten. Was nie­mand für möglich hielt: zehn RAF-Aus­steiger, die in der BRD seiner­-zeit mit Strafbefehl gesucht wurden, fanden in der DDR während der 80er Jahre Unter­schlupf – ge­deckt von der Staats­sicherheit; darunter Namen wie Silke Maier-Witt (in Hoyerswerda, Erfurt und Neu­branden­burg), Henning Beer (Neubrandenburg), Inge Viett (Dresden, Magdeburg) oder Susanne Albrecht (Köthen, Dubna).

Zu DDR-Bürgern umgeschult wurden die Ex-Terroristen im "Forsthaus an der Flut", einem Geheimobjekt des MfS nahe Briesen. Nichtsahnend von der Öffentlichkeit wurden sie dort mit neuer Identität versorgt, um bis zur Wende mitten im ganz normalen Alltag zu leben. Zwei von ihnen tauchten 1980 in Eisenhüttenstadt unter, Monika Helbig und Ekkehard Freiherr von Seckendorff-Gudent. Hier heirateten sie und lebten unter den Namen Elke und Horst Winter. Von Seckendorff-Gudent absolvierte im hiesigen Krankenhaus seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin, ab 1986 leitete er eine Beratungsstelle für Alkohol- und Medikamenten­abhängige in Frankfurt/Oder.

In seinem neu erschienenem Buch rekonstruiert Frank Wilhelm minutiös das Zusammenspiel von MfS und RAF. Dazu hat er Hunderte von Stasiakten ausgewertet und mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen.

Die Buchvorstellung bildet den Auftakt zu einer neuen Vortragsreihe im Dokumentations­zentrum, die DDR-Geschichte unter Berücksichtigung auch ihrer regional- und stadtgeschichtlichen Dimensionen beleuchtet. Weitere Termine werden in Kürze bekanntgegeben.

Eintritt:

Vorverkauf: 4,- EUR / Abendkasse: 5,- EUR / Schüler, Studenten, Auszubildende frei